Architecture In Helsinki

In Case We Die

Text: Felix Bayer

Meine erste Bekanntschaft mit Architecture In Helsinki war das Debütalbum »Fingers Crossed«, das meine Freundin aus dem Australien-Urlaub mitbrachte. »Fingers Crossed« bestach durch ein tolles Diagramm, auf dem die 30 Instrumente, die die acht Bandmitglieder auf der Platte spielten, den Songs zugeordnet wurden. Sie spielten sie mit kindlichem Entdeckergeist - We've got a tuba and we're gonna use it! - und schafften so ein fröhliches und zugleich entspanntes Pop-Durcheinander.
    Das zweite Album, »In Case We Die«, schlägt dagegen höhere Wellen: Internetmagazine wie Pitchfork und Stylus jubeln; die Band kommt nach Amerika auf Tour und zu Showcasekonzerten nach Europa. An der überbordenden Instrumentierung hat sich nichts geändert, die Songs können jederzeit eine ganz andere Wendung nehmen. Die Gesangsstimmen stammen aus dem ästhetischen Feld des Wimp-Pop, doch der Umgang mit den Songstrukturen muss beinahe progressive genannt werden. Eine Fröhlichkeit durchzieht die Lieder, die wir von Polyphonic Spree oder den Magic Numbers kennen, denkt man sich den Beach Boys- oder Gospel-Kitsch weg.
    Verglichen mit dem Debütalbum klingt »In Case We Die« robuster; mit »Do The Whirlwind« ist sogar ein richtiger Tanzhit darauf zu hören, der entfernt an ihre Landsleute von den Avalanches erinnert (zumindest an deren Belle & Sebastian-Remix aus dem Jahr 2004). Es herrscht chronischer Ideenüberschuss bei Architecture In Helsinki, das nervt gelegentlich, doch meistens macht es glücklich: Wo kommt denn dieses Piepsen her? Warum singt denn jetzt plötzlich ein Chor? Ist das nicht eine großartige Popmelodie? »And as we planned there's fireworks, stage right« - ja, das kann ich mir gut vorstellen!

LABEL: Moshi Moshi / V2 Records

VERTRIEB: RTD

VÖ: 13.01.2006

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