Oren Ambarchi
Triste
Text: Kai Ginkel
Ab einer bestimmten Lautstärke wird es unmöglich, sich nicht von jedem einzelnen Ton (und auch den sehnigen Pausen dazwischen) völlig vereinnahmen zu lassen. Es ist ein finster quirlendes Spektakel, das in Teil zwei einen notwendigen Bruch erleidet, als plötzlich unerwartet hohe Frequenzen in bester »Bird And Person Dyning«-Manier durch die vormals fast betörende tonale Stärke zu schneiden beginnen. Ein bisschen klingt das dann, als hätte ein Outfit der frühen Noise-Bewegung seine Misanthropie endlich gegen Melancholie eingetauscht: Oren Ambarchi zelebriert in diesen letzten Minuten aus vollem Herzen die tiefe, scheinbar nach innen gerichtete Aggression, die sich hinter der vorangegangenen Trübsal verbirgt. Ein Finale freilich, währenddessen man sich unangenehm um all den heißgeliebten Wohlklang betrogen fühlen könnte. Doch am Ball bleibt man nichtsdestotrotz, bis sich schließlich alles legt, was zuvor in blanke Wirrnis ausgeartet war: Das Stück endet gleichermaßen sinnvoll wie anregend unbefriedigend.
Schon 2003 nun war »Triste« in sperrigem Format und weitaus geringerer Auflage bei Idea Records erschienen. Der erfreuliche Re-Release auf Southern Lord trägt vermutlich Ambarchis Engagement bei den Meta-Metal-Zugpferden Sunn O))) Rechnung, sodass sein einzigartig entfremdeter Umgang mit dem Klang der E-Gitarre in Zukunft hoffentlich auch außerhalb verquaster Avantgarde-Kreise auf offene Ohren stoßen wird. Selten genug nämlich trifft man auf derart originelle, kompromisslose und schlichtweg brillante Musik.
LABEL: Southern Lord
VERTRIEB: Soulfood
VÖ: 22.08.2005

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