Silver Jews
Tanglewood Numbers
Text: Frank Geber
Zwar haben die Silver Jews ihren legendären kleinen Bruder Pavement inzwischen bereits lange überlebt, aber machen wir uns nichts vor, es wird richtig, richtig schlimm: »Let's not kid ourselves, it gets really, really bad.« Dafür können die Silver Jews allerdings nix. Im Gegenteil. Zwischen »Punks In The Beerlight« (Titel des ersten Songs) und »Shadow On This world« (Textschnipsel aus dem letzten) bringt David Berman aus jeder schummrigen Ecke oder Bar, an die er sich erinnern oder die er herbeizitieren kann, poetischen Kalauerismus zur Hirnerhaltung mit. Sehr solidarisch. Schön, dass er nach so langer Zeit wieder mal mit ein paar verbeulten Songs im Atem da ist, dieser große weiße US-Amerikaner.
»Bright Flight«, das letzte Album, erschien vor immerhin vier Jahren. Wie dieses hat auch »Tanglewood Numbers« leichte Nashville-Komponenten im Rock-Sound. Wie gewohnt wandeln viele Schludrigkeiten in eigenartig straffen Beziehungen zueinander in weltmännischer Indie-Musik umher. Oder nein, nicht umher. Sie wandeln sehr genau auf jener flüchtigen Stelle, wo alles zuerst mal egal und dann vorerst wieder erträglich wird. Stephen Malkmus und Bob Nastanowich aus der Jews-Anfangszeit zu Beginn der 90er in New Jersey sorgen dafür, außerdem Will Oldham und so einige andere.
Im Bush-Amerika liegt einem vermutlich schnell zu viel religiöse Dreistigkeit auf der Pelle. Als depressives Pony schüttelt man sich dann auch mal ungewohnt dumpf. »I saw god's shadow on this world. I could not love the world entirely. There grew a desert in my mind. I took a hammer to it all.« Bis sich alles dreht wie ein eisgekühlter Punk-a-Loo-Wop. Die Silver Jews sind die Silver Jews sind die Silver Jews sind die Silver Jews und immer wieder das vorübergehend rettende Bier in der Suppe.
LABEL: Drag City
VERTRIEB: RTD
VÖ: 17.10.2005

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