Mr. Oizo

Moustache (Half A Scissor)

Text: Alexis Waltz

Mr. Oizos »Flat Beat« und das Album »Analog Worms Attack« von 1999 gehören zu den Meilensteinen der elektronischen Musik. Seitdem ist viel Zeit vergangen, dementsprechend anders klingt sein zweites Album »Moustache (Half A Scissor)«. Die Downbeats erzeugen keine erdige Basis mehr. Alles wird in eine mitreißende, hyperdynamische Zirkulation gebracht. P-Funk erweist sich weiterhin als Geheimwaffe, um Soundarchitekturen umzuwerfen und aus den Bässen heraus neu aufzubauen. Fast zu allen elektronischen Genres werden Bezugspunkte hergestellt: Energetisch markiert Oizo den äußersten, krassesten Punkt von House, ebenso gibt es eine Verwandtschaft zum Breakcore-Genre. Wo aber die Musik eines Kid 606 kraftmeierisch wirkt, wenn sie sämtliche Strukturen auflösen muss, bewahrt Mr. Oizo trotz aller extremen Brüche und Abgründe eine bestimmte Musikalität, eine Eleganz. Die Knalligkeit, die extreme Performanz seiner Musik erinnert an die R&B-Produktionen aus den USA, hier werden aber keine dampfenden Serails in Szene gesetzt. Vielmehr kehrt Deleuze & Guattaris Rosaroter Panther als das knallgelbe Stofftier aus Mr. Oizos selbstproduzierten Videos wieder. Nirgendwo wird wie in dieser Musik das Körpergefühl des Stofftiers inszeniert, nirgendwo wird das (Stoff-)Tier attraktiver gemacht. In einer Zeit des rockistisch-humanistischen Backlashs, wo die Musik im Wesentlichen wieder von Männern und ihren Gitarren produziert wird und um deren Befindlichkeiten kreist, ist »Moustache (Half A Scissor)« ein elektronischer Befreiungsschlag.

LABEL: F Comm

VERTRIEB: PIAS

VÖ: 19.09.2005

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1 Kommentar:
  1. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » »76% sind ein guter Schnitt«:

    [...] nach sechs Jahren scheint Mr. Oizos Album »Moustache (Half A Scissor)« noch einiges an Strahlkraft zu besitzen: Obwohl Quentin Dupieux schon 2008 das Album »Lambs [...]

     
 
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