Franz Ferdinand

You Could Have It So Much Better

Text: Dirk Peitz

Um diese Platte verstehen zu können, muss man erst mal anderthalb Jahre zurückgehen, an den Anfang also, ans Debüt und dessen Erfolg. Mehr als eine Million Mal verkauft, trotz oder genau wegen Indie ist eigentlich egal, denn das ist zu lange schon kein ästhetisches Kriterium mehr für Popmusik. Erstaunlich am Erfolg von Franz Ferdinand war neben dem bloßen Zustandekommen nicht das ökonomische Wie, sondern das künstlerische Womit. Denn zunächst einmal war da ja diese offensichtliche und eigentlich schlecht verkäufliche Artiness, mit der das Auftreten dieser Band imprägniert schien, musikalisch, textlich, visuell. Die Videos, die Klamotten, das Deutschgequassel, vor allem aber der Gesang Alex Kapranos´, der so dezidiert antiauthentisch, antirockistisch phrasierte und damit die fraglos vorhandene Unmittelbarkeit in den Texten durch die bloße Betonung schon wieder relativierte. Und doch wurden Franz Ferdinand in der Post-Strokes-Phase der Debütanten-Hypes der erste tatsächliche so genannte Verkaufsrenner, vor den weniger durchschlagenden, aber doch ähnlich operierenden Maximo Park, Bloc Party et al: Medienhype und Chartposition korrespondierten erstmals seit langem wieder miteinander, was außerhalb Großbritanniens ja eigentlich nie passiert. Wenn also alle üblichen Begründungen ausscheiden, kann es dafür eigentlich nur eine innermusikalische geben. Die nun liegt bei Franz Ferdinand selbstverständlich nicht in einer hergebrachten instrumentellen Virtuosität. Sondern in der Kunstfertigkeit der Arrangements, in den unkonventionellen Tempowechseln, der Catchiness einzelner Kurzmelodien, der Doppelt- und Dreifachbetonung von Phrasen durch Gitarre, Bass, Schlagzeug. Selten hat man eine so vergleichsweise junge Band gehört, die so tight, so effektbewusst, so präzise aufeinander abgestimmt klingt. In dem Sinne sind Franz Ferdinand nicht nur die Anti-Strokes, sondern auch die Anti-Oasis. Da wird nichts zugebreit und über nichts hinweggedröhnt, da werden stattdessen Töne und Tempi einzeln gesetzt. Und genau wegen dieser Fähigkeit respektive dieses eher handwerklich fundierten Konzepts konnte die zweite Platte nur so werden, wie sie jetzt ist. Kein Reinfall, kein überambitioniertes zweites Album. Sondern eine gute Fortsetzung, erwartbar variantenreicher und einfach auch besser gespielt als der Vorgänger (was im Zweifel egal wäre). Bloß eines ist das alles nicht: brillant. Denn was fehlt, ist ein ästhetischer Überschuss, ein Lied wie »Take Me Out«, wo der Konventionsbruch (schnell anfangen und dann absurderweise langsamer werden) eben nur das tolle Nebenbei zu einer unwiderstehlichen Hookline ist. Man wird »You Could Have It So Much Better« mögen. Aber nicht lieben. Bald schon wird man anfangen, auf das eigentliche Hauptwerk Franz Ferdinands zu warten: das vierte Album.

LABEL: Domino Recording Co

VERTRIEB: RTD

VÖ: 30.09.2005

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