Jens Friebe

In Hypnose

Text: Felix Bayer

Mit der ersten Platte von Jens Friebe war es so wie damals mit der ersten Tocotronic. Es gab nur Fansein oder Furchtbarfinden, egal war die Platte niemandem. Die Furchtbarfinder hassten Friebes wimpige Stimme, wunderten sich über sein Spiel mit Androgynität und fanden die ganze Musik etwas unernst. Die Fans hingegen sangen lauthals mit, begrüßten sich mit Textzeilen, lernten auf Konzerten neue Lieder kennen und warteten schon sehnsüchtig auf die nächste Platte. Und wie damals Tocotronic lässt auch Jens Friebe damit nicht lange auf sich warten.
    »In Hypnose« scheint so etwas wie den dritten Weg zu versuchen zwischen den beiden Produktionspolen des Debüts, Italo-Disco (Armin von Milch) und Gitarrenpop (Tobias Levin). Diesmal wurde komplett bei Levin aufgenommen, Gäste wie Herman Hermann mit seiner Slidegitarre halfen, das überbordend trashige Element der Musik etwas abzubauen - was man durchaus auch schade finden kann (Friebe weiß das und empfiehlt das Stück »Bungeeseil« zur Wiedergutmachung). Wie so oft bei dritten Wegen wirkt die Produktion manchmal etwas unentschlossen.
    Doch vor allen Dingen hat Jens Friebe wieder Hits geschrieben, wie erfunden zum Mitsingen (»Kennedy«, »Lawinenhund«, »Messer von hinten«), hat sich grandiose Textzeilen ausgedacht, die nur darauf warten, im Nachtleben benutzt zu werden (»wie eine Stimme, die beim Tischfußball zu dir spricht: Klapp´ deine Männchen weg, den Rest mach´ ich« - was für ein Bild für Vertrauen!). Souverän bewegt er sich zwischen Humor und Anrührung, seine Bonmots sind nicht als bloße Pointen gedacht, sondern erzählen etwas im Lied.
    Das Bild auf dem Cover fügt diesmal zum Lippenstift noch Brusthaare und eine Kette hinzu, im Video gibt er die Highschoolballband - weitere Arbeit an der Wiedererkennbarkeit der Figur Jens Friebe. Die Furchtbarfinder dürfen sich fürchten: Jens Friebe wird Popstar, es führt kein Weg daran vorbei. Und zwar mit den besten juvenilen Popsongs in deutscher Sprache seit, tja, seit Tocotronic.

LABEL: Zick Zack / Labels

VERTRIEB: EMI

VÖ: 29.08.2005

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