The Chap
Ham
Text: Kai Ginkel
Der letzte Track heißt übrigens »Emerson, Lake And Palmer« – Humor also auch an Bord. Anstatt die Welt in eine Zeit zurückzuversetzen, in der man den Bandnamen !!! noch mit Aussprachetipp in einer folgenden Klammer formulierte, wagen The Chap einen in ihrem Sinne offenbar durchaus bedeutenden Schritt in Richtung Pop. Sie selbst scheint das allerdings an mancher Stelle peinlich zu berühren, denn zu zaghaft und verschämt klingen die Elemente, die man im beigelegten Schreiben mit dem allerorten für Geschmack bürgenden Zweisilber »Kylie« zu entschuldigen trachtet.
Zuerst schien mir diese sich hinter ironischem Discotusch verschanzende Mixtur sogar bitter genug, um zu Beginn dieses Textes kalt daherzustochern: Zynismus boomt – und mit ihm The Chap. Es gibt allerdings Momente, in denen »Ham« tatsächlich so etwas wie emotionales Engagement verströmt. Kurios ist zudem, dass sich diese Gruppe textlich einigermaßen geschickt zwischen dem üblichen »Shit Scheiße Merde«-Geekdada einerseits und etwas tieferen, bisweilen gar anregenden Auseinandersetzungen andererseits bewegen kann, ohne dabei bewusst einen Wechsel der Stilmittel herbeizuführen.
Doch auch wenn man die Entwicklung insgesamt als beachtlich bezeichnen könnte und The Chap einen recht eindrucksvollen, beherrschenden Umgang mit Klang pflegen (höre »Woop«), erscheint mir das alles noch zu ausgedacht und trocken: Zu viele Songs sind (nicht nur als Songs) schlichtweg uninteressant.
LABEL: Lo Recordings
VERTRIEB: Neuton
VÖ: 08.08.2005

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