Sufjan Stevens
Come On Feel the Illinoise
Text: Ralf bei der Kellen
Als der Songwriter Sufjan Stevens vor zwei Jahren erklärte, er wolle seine Kreativität ganz in den Dienst eines 50 Alben umfassenden Zyklus über die einzelnen Bundesstaaten der USA stellen, roch das zunächst stark nach einem guten, aber sicher nicht ganz ernst gemeinten Marketing-Gag. Mit dem ersten Album »Greetings From Michigan« bewies Stevens allerdings postwendend, dass sein megalomanes Vorhaben auf gesunder schöpferischer Substanz basiert. Dasselbe gilt auch für dieses Album der Serie.
Stevens gehört zu einer neuen Generation von Songwritern wie Badly Drawn Boy oder Adam Green, um nur mal die Spitzen des Eisberges zu nennen, die eine facettenreiche Musik machen, wie sie von den Altmeistern des Genres (Neil Young et al.) so nie hätte ersonnen werden können. Und dass Stevens wahnsinnig genug ist, sein Projekt von A bis Z durchzuziehen, belegen die Songtitel auf dem neuen Album. Beispiel gefällig? »Let’s Hear That String Part Again, Because I Don’t Think They Heard It All The Way Out In Bushnell« (der längste Songtitel würde die von der Redaktion vorgegebene Maximallänge für Rezensionen sprengen). Und auch die Aussage Stevens’, es gehe auf dem neuen Album inhaltlich natürlich nicht nur um Illinoise, sondern auch um »society, invention, civilization, disease, death, education, business«, legt beredtes Zeugnis ab von etwas, das wohl niemand ernsthaft als »kleingeistig« bezeichnen könnte.
Wem auf Adam Green-Konzerten zu viele twentysomething-would-be-hipsters sich gegenseitig ihre Ellenbogen in die Seiten rammen und auf Badly Drawn Boy-Konzerten die Altmännerbärte zu laut rauschen, für den ist Sufjan Stevens die vom Himmel gefallene Alternative. Bleibt nur zu hoffen, dass der Songwriter mit seinem Zyklus etwas schneller fertig wird als ein gewisser Herr Wagner.
LABEL: Rough Trade Records
VERTRIEB: RTD
VÖ: 11.07.2005

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