Stars

Set Yourself On Fire

Text: Alexander Diehl

Die Super Furry Animals und Sam Cooke, Haschkekse und Champagner, DuMaurier Lights und Bücher aus der Gemeindebibliothek: Wer will, mag sie darauf hören, diese erklärten Paten dieses dritten Stars-Albums. Und wie ist es erst mit dem Foto von John Lennon, wie er den Produzenten der Demos zu »Set Yourself On Fire« umarmt, einen gewissen Alan Nicholls, das über die Aufnahmen wachte? Oder, vielleicht mehr noch, mit dem klirrenden Winter in Quebec, wie er, so heißt es, die zugige Studiohütte in eisigem Griff gehalten habe? (Immerhin: »November, December and all through the winter, I\'m alive«, heißt es im eigentlich tollen, für diese Band aber beinahe schon zweitklassigen letzten Stück zu klirrender Pop-Grandezza, zu Beckenschlag und Pianotupfen und Synthetikstreichern.)
    Von »Your Ex-Lover Is Dead« bis »Calendar Girl«: Wieder lassen Stars ihr Publikum, und dessen Ausdehnung mag nun das neue, ja nicht zuletzt vom Ruf der Geschmackssicherheit zehrende Label zuträglich sein, teilhaben an einem: ihrem zutiefst romantischen Blick auf die Welt. Und so klingt hier eigentlich wieder alles, nein, nicht eben wie in Flammen stehend, aber wie mit Liebe befeuert und von Sehnsucht umwölkt: wunderbare Schuhgucker-Gitarren treiben wohlklingende Schauer vor sich her, übernächtigt wirkender Sixties-Stomp erlahmt jäh zu kristallinen Zeitlupenzwischenspielen, und, hey, da kommen die üppigen Bläser und spröden Streicher rein und bringen gleich noch das wärmende Sequencer-Zirpen aus dem New Order-Garagenverkauf mit, um alles in ein plötzliches kammermusikalisches Intermezzo münden zu lassen.
Angenehm unaufgeregt ist das alles und unbeschwert von gar zu vielen Überlegungen, was heute noch so alles zu einem zeitgemäß-unzeitgemäßen Klangbild gehören könnte - wenn hier aber eine Referenz herhalten müsste, dann wären es, Überraschung, am ehesten wohl Martha & The Muffins und ihr von Neonlicht gleißender Neuromantik-Surf. Aber selbst die hatten freilich nicht diese Gesänge: Nichts weniger als umwerfend, wie Torquil Campbell da wieder den unglücklichen Liebhaber näselt, stets on the edge zur selbstmitleidigen Scheu, während Amy Millan, vordergründig bloß, das hingehauchte Objekt seiner Begierde gibt. Von unverhohlener Schwärmerei insbesondere für diese Stimme wird aus den City Slang-Fluren berichtet; schamhaft verschwiegen werden die Sonnenstrahlen, die sich ihren Weg in die weitläufige Lizenzabteilung gebahnt haben müssen, wo sie - an Krisen erprobt - zurückhaltende Herzen aufzutauen verstanden, und man entschied, sich fortan für den schmucken Stars-Entwurf von Popmusik zuständig zu fühlen. Uns ist es recht.

LABEL: City Slang

VERTRIEB: RTD

VÖ: 08.08.2005

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