DJ Koze
Kosi Comes Around
Text: Dirk Peitz
Ist natürlich reiner Wahnsinn, die so genannte Veröffentlichungspolitik dieses Herrn. Wann ist noch mal die letzte Adolf Noise erschienen? Vor drei Tagen? Und tourt der nicht eigentlich den ganzen Sommer mit International Pony durch die Schützenzelte der Welt? Wie heißen noch seine hundert anderen Pseudonyme? Und wie geht das überhaupt, dass ein Mensch derart viel Zeug produziert und sich das trotzdem nicht wie aus dem Klangbaukasten anhört?
Obwohl: Das hier ist ja eigentlich erst sein erstes richtiges Soloalbum, jedenfalls unter seinem geläufigen Kampfnamen. Und egal wie lange das schon in seinem Kopf herumgespukt und auf seinen Festplatten herumgeknuspert hat: Es klingt angenehm vorläufig. Schnell gemacht. Aber präzise schnell gemacht, mit nicht mehr Elementen als nötig, zum Beispiel für so ein locker dahingeschütteltes Statement wie: Bitte schön, hier habt ihr eure House Music mit besten Empfehlungen zurück. Da wird kräftig zitiert, wenn eine Stimme einfach »House Music« sagt, das ist dann schon sehr jack-your-body-mäßig. Oder die melodiegebenden Rhythmussequenzen, the main themes sozusagen, klingen mal nach »Pump Up The Jam« oder nach diesem superfiesen, supergeilen Schleifgeräusch von Daft Punks »Burnin´« oder gleich nach Mr. Oizo auf Acid. Aber das macht eher einen schönen Erinnerungseffekt als sonst was.
Und dann kommt ja auch gleich der nächste Break oder ein langsameres Stück zwischendrin, wo dann Kaskaden von Vibraphon, Harfe, Akustikgitarre oder Piano dir die Nervenenden streicheln, und eine Stimme sehnsüchtig flüstert: »My grandmotha is driving motorcycle in the chicken house ...« Ein typischer Fall von Koze-Witzzwang. Aber das genau macht es groß und womöglich eben doch dauerhaft. Dass dir hier nicht mit ernster Miene ein MEISTERWERK der modernen Tanzunterhaltungsindustrie vorgesetzt wird, das sich immer schon selbst durch seine Angestrengtheit dementiert. Sondern dass das alles so beiläufig bleibt und sich absichtlich an den kritischen Stellen ins Unernste oder Kitschige flüchtet, ehe noch irgendjemand denken könnte: »Scheiße, das ist ja wirklich Kunst, und der Koze, diese Glück-am-Fließband-Produziermaschine, das ist in Wirklichkeit der Empfindsamste von allen.« Da lacht der, und haut dir den nächsten besten Beat in die Magengrube. Die Sau.
LABEL: Kompakt
VERTRIEB: Kompakt
VÖ: 12.09.2005

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