Common
Be
Text: Torsten Schmidt
Als »two of Chicago's finest« hatte Dave Chapelle sie in seiner Sendung angekündigt: Common und Kanye West. »The Food«, als Bootleg einer der Höhepunkte des HipHop-Jahrgangs 2004 und hier im letzten Moment doch noch statt der mageren Studioversion reingerutscht. Alles kam da zusammen: Chapelle, der schwärzeste Humor der USA. Common, der seit Jahren ständig zwischen Reim-Hoffnung und Consciousness-Nervensäge schwankende MC, spürbar an der Trennung von der große Bühnenmänner brechenden Göttin Erykah Badu kauend. Der frisch aus dem Ei gepellte, hochgepitchte Größenwahn des Kanye West. Ein Typ, der selbst Jay-Z noch im Studio erklärt, wie man die Hook denn wirklich zu rappen hat. And so they had to diiiiid what they had to diiiid.
Was erst mal heißen sollte, HipHop 05 auf den Punkt zu bringen. Langweil jetzt bitte niemand mit b/w-Positionierungen, in denen »Be« Traumbilder aus der Welt der G-Unit simpel gegenübergestellt werden. Klar, die Räume zu John Coltrane, Malcolm X, Yusef Lateef in den Eingangszeilen aufzumachen, ist auch ohne Aggro erst mal eine Ansage. Und ja, Common konnte einem schon gehörig auf die Nüsse gehen, wenn er mal wieder beim eher bedenklichen Pamphlet-Kapitel hängen geblieben scheint und auf dem Backcover die Kaffeehaus-Revoluzzerversion von »By Any Means Neccessary« anbietet. Aber wie grausam eigentlich, dass uns 68er-Verseuchten da sogehtüberhauptnicht-Vokabular wie Gutmenschentum einfallen muss. Und wir so womöglich Forderungen wie »Be a brilliant soul, sparklin' in the galaxy while walkin' on earth« übersehen mögen, nachdem wir über »So many raps about rims, surprised niggaz ain't become tires« gelacht haben. Oder wie wär's mit »Shorties get The Game/but no instructions to assembling«. Das ist fünffach dicht verwebt, auch schon ohne die Preisungen der »On the Corner«-Romantik mit den Last Poets. Selbst Lachen ist erlaubt. Und wenn dann Pastorentochter-Schmutz galore mit so einer infektiösen Hook wie bei »Go« serviert wird - wer mag da schon stänkern? Dass die Burschen wissen, wovon sie reden, glaubt man den versammelten Chorknaben um John Legend, Bilal und Kanye schon ab dem ersten Psalm (unser Herzeken glänzt mit: »But God don't ever give me nothin I can't handle / So please don't ever give me records I can't sample«). Nicht nur dank ihm produktionstechnisch das dichteste Album des Jahres, selten wurde Wests hysterisches Schnippelschnappel besser auf den Punkt gebracht als in dem chandlerhaften Gerichtsdrama »Testify«. Wenn z.B. mit »Love« vielleicht nicht der stärkste Dilla-Beat von den jeweiligen Tapes gepickt wurde, haben u.a. die Hände von Bob Power in the Mix dieses ALBUM so rund gedreht, dass vielen wohl erst nach dem 724. Hören die Bildergewalt dieser Kurzgeschichten-Sammlung dämmern mag, die Ode an seine Heimatstadt könnte das Ohrensessel-Punchline-getränkteste Beispiel sein. Trotz allem: nicht nur musikalisch das kompletteste HipHop-Album seit langem. Wer's nicht (wahr)haben will, bekommt natürlich wieder von Kayne die Antwort: »Uh, and on the count of three: everybody run back to your fantasy - now«.
LABEL: Good
VERTRIEB: Universal Music
VÖ: 24.05.2005

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