The Concretes

The Concretes

Text: Christoph Braun

Wimps und Smartness sterben nie aus. The Concretes sind eine aus allen Geschlechtern bestehende Band aus Stockholm, die ihre Vergangenheit selbst aber als »Kommune« bezeichnet. Snapshots ihrer UK-Tour zeigen, wie sie ein Bier mit Teenage Fanclub trinken, sich mit Stephen Pastel treffen und die Hochzeit von Sarah Cracknell feiern. Die singt bei St. Etienne und fährt Scooter, das Concretes-Modell smarter Wimpness dagegen ist ein reformistisches. Man bedient sich eher aller Jahrzehnte als nur der Sixties, erfindet eine eigene Nostalgie statt die Vergangenheit - und sei es auch nur, um polemisch zu favorisieren. Darin zeigen sich die Concretes dann extrem begabt.
Wie diese unglaubliche Platte schon anfängt: Eine VU-Gitarre hängt in Höhenluft, eine Orgel jubelt zaghaft. Victoria Bergsman spielt mit Apathie und Understatement und mit ihrer Stimme. Wenn die Bläser einsetzen, lache ich und freue mich darüber, wie meine Oma immer »Katzemussik« sagt, wenn irgendwo Jazz läuft; was aber auf ihrem Stammsender SR 3 Saarlandwelle nicht allzu oft passiert. Diese Schiefe führt über einen bunten, plinkernden Pfad zu eben jenem Abgrund, an den mich schon die Ahnung des ersten Bassschlages auf der neuen Bohren schickt. Das Schellenkranz-Schlagzeug ist dabei die Brücke zwischen einem in seiner Begeisterungsfähigkeit nahe am Gospel tickenden Soul und einer Härte gegenüber dem Selbst in Darkness, wie sie von den großen Heroin-Bands bekannt ist. Wobei die Melodien sich immer über all die Instrumente dieser acht Köpfe entfalten dürfen. Gerne sind es Chöre aus Frauenstimmen und die Bläser, die gerade die Balladen und Stücke gemäßigten Tempos in ganze Obstplantagen-Landschaften schicken. Wer Songs über Weissager schreibt (»Chico«) und »You Can´t Hurry Love« nicht covert, sondern sich bloß aus Bewunderung den Songtitel für ein neues Lied borgt, der und die kommt so rüber: smart und wimpy, aber heute.

LABEL: Labels

VERTRIEB: EMI

VÖ: 18.04.2005

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