Ryan Adams

Cold Roses

Text: Tobias Ruderer

Hier von einem Countryalbum zu sprechen, ist sicher nicht so falsch, aber nur insofern, wie man das zum Beispiel auch von Neil Youngs »Harvest« sagen würde. Fast jeder Text handelt von Natur- oder ähnlich schicksalhaften Kräften. Für Folk ist es zu rockig und für Rock zu demütig. Außerdem ist da diese Westernverpackung - und vor allem die Steelgitarre. Obwohl also ein solches Country-Doppelalbum auch dazu einlädt: Auf den Originalitätsbonus (den Popmusiker für diese Musik oft noch ernten, weil sie ja eigentlich zu jung sind für den tief empfundenen und demutsvoll ausgedrückten Wunsch, das Haupt nach einem Leben voller Schmerz und Erfahrung in einer friedvollen Landschaft zu betten) kann jetzt und überhaupt getrost verzichtet werden. Es ist wohl eher so, dass Ryan Adams daran gelegen ist, langsam mal wieder Ordnung in seinen gigantischen Output zu bringen, weshalb allein in diesem Jahr noch zwei weitere (»29« und »Jacksonville«) Alben die geplante Trilogie vervollständigen sollen. Und amerikanisch tradierte Gitarrenmusik ist nun mal der Acker, den er kennt (man denke beispielsweise an »Pneumonia«, 1999 noch mit der Band Whiskeytown aufgenommen, aber erst 2001 vernünftig veröffentlicht). Wenn man dazu eine neue Band im Rücken hat, The Cardinals, die groß aufspielt, ohne aufzumucken, dann muss der süße Honig verdammt noch mal einfach auf Band. Mit den 18 Songs fährt Ryan Adams eine ziemlich gute Ernte ein. Alle hätten auf eine einzige CD gepasst, und dann hätte man gerade noch die vier weglassen können, die über die Erzeugung plumper Straightness nicht hinauskommen. Zudem gibt es Situationen, in denen man auf diese Musik einfach nicht klarkommt, zum Beispiel alle zwischen Morgengrauen und Abendrot, aber das ist nicht so wichtig. Nachdem nämlich der Verdacht der Beliebigkeit zusammen mit den ersten Durchläufen ein Ende findet, wird es tatsächlich aufregend, wie gut das alles gemacht ist.

LABEL: Lost Highway

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 02.05.2005

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