Sunn 0)))

The Grimm Robe Demos

Text: Lars Brinkmann

Ein süßes Nichts in bleischwer. Ultraheavy Motion-Metal wie aus dem Mutterleib. Sunn O))) dröhnen dich um das Bewusstsein, lullen dich ein mit volumenstarkem Beharren, mit veredelter Erstarrung und dramatischer Ereignislosigkeit. Live stehen sie zu zweit in Mönchskutten in einem von Nebelschwaden durchwaberten Stonehenge aus Sunn-Amplifiern. Dabei rühren sie für Ewigkeiten keinen Finger, jedes Riff schwappt mit 130 db als minutenlanger Drone über das Hirn, um sich schließlich von dort aus durch den ganzen Körper zu arbeiten und irgendwo tief im Gedärm ein warmes Plätzchen zu finden. Als freundlicher Symbiont oder gefährlicher Parasit, darüber kann jeder selbst entscheiden. Eine ganz alte Weisheit der Übertherapierten: Du musst es nur zulassen! Das meint in diesem Fall, es sich in einer Möbiusschlaufe gemütlich zu machen. Zeit dehnt sich, vergeht gar nicht oder wie im Flug ...

    Die neue Sunn O))) ist die alte. Aber das ist eigentlich egal. Kennt ohnehin keiner und geht als gebrauchte CD für 90 Lappen in die Welt (Auflage 700 Stück). Irgendwann hat sie noch mal ein Kollege der Band als Doppel-Picture-Disc in einem schwarzen, mit einem Pentagramm handversiegelten Pappumschlag herausgebracht. Selbstredend wie alles von Sunn O))) in einer extrem limitierten Edition (222 Stück); bei Erscheinen ausverkauft. Als Tributeband von Earth gestartet - ein Song trägt auch als Titel den Namen des Gitarristen Dylan Carlson (Cobains bester Freund (der mit dem Gewehr)) - verästelt sich das im Kern aus Stephen O´Malley und Greg Anderson bestehende Gebilde immer weiter, kollaboriert mit Typen wie Merzbow, Julian Cope und dem extrem rätselhaften Black Metal-Typ Attila Csihar (Emperor, Mayhem u.a.). Vom Drone Doom zum Minimal Metal und Heavy Ambient war es nur ein Katzensprung. Es wird sicherlich spannend sein, die weitere Entwicklung der Band auf dem noch dieses Jahr erscheinenden Album »Black 1« zu verfolgen. Ich persönlich lege meine Hoffnungen eher in die erste Veröffentlichung der polnischen Tribute-Band Moon O))).

    Um den sechzehnminütigen Bonustrack »Grimm & Bear It« erweitert, schleppen sich Sunn O))) hier in der Urbesetzung mit dem Bassisten G. Stuart Dahlquist alias Bootsy Kronos (Asva, Burning Witch) durch dieses durch und durch klassische Werk. Ohne Schnickschnack, Remixe oder Collab-Abstauber zeigt das Album die Band in ihrer ersten und primitivsten Form, kurz nachdem sie sich von Mars in Sunn O))) umbenannt hatten - und lange bevor sie vom schicken Avantgarde-Publikum entdeckt wurden. Als zusätzlichen Bonus gibt es einen mit zehn eng beschriebenen Seiten etwas ausufernden »Miasmic visionary text« von Seldon Hunt, dem Künstler hinter vielen Covers des weit verzweigten, häufig um O´Malley kreisenden Zirkels von seltsamen Bands zwischen Drone, Post-Hardcore und Metal: »... groteske Rhinozeros-Exkrement-Skulpturen ... der grausame Klang eines Universums, das sein letztes Gebet spricht ... Elefanten spannen sich über Kontinente wie die Bettlaken von schlafenden Dämonen ... Geschichte verdaut im großen, unheiligen Magen ... deinen letzten Atemzug hört niemand, aber er wird verstärkt bis in die Ewigkeit, wo er von widerlichen Kreaturen geheim gehalten wird ...« Heilige Kacke, als Begleitung guck ich mir dann doch lieber die besten Szenen aus »The Chronicles of Riddick« in 32-facher Zeitlupe an.

LABEL: Southern Lord

VERTRIEB: Soulfood

VÖ: 25.01.2005

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