The Kills

No Wow

Text: Nic Koskowski

Im vorletzten Jahr veröffentlichten The Kills ihr Debütalbum »Keep On Your Mean Side«, eine Sammlung so roher wie stylisher Blues-Rock-Stückchen, und ein bisschen roch diese ganze Sache nach einer Eintagsfliegen-Geschichte. Dem Konzept des Boy-Girl-Duos, dem Lo-fi-Sound und der urban-angeschrotteten Ästhetik, in die The Kills ihre Musik einpackten, haftete schon vor zwei Jahren ein leichter Makel der Übersättigung an. Erstaunlicherweise kommt nun doch die zweite Platte des Duos, das im Gegensatz zu den Darlings White Stripes nicht gerade in aller Munde war.

    Das repetitive Moment war schon auf dem Debüt das augenfälligste Stilmittel. Mit »No Wow« treiben VV und Hotel diesen Ansatz auf die Spitze und reproduzieren ihre alte Nummer aus musikalischem Minimalismus und maximaler Attitüde sehr sorgfältig. Das Problem: Sorgfalt ist nicht eben das Attribut, das den Ansatz Blues-Punk zur aufregenden Sache macht. Ihre Lektionen in Musikgeschichte mögen die Kills ordentlich gebüffelt zu haben - von Beefheart über Velvet Underground bis hin zu Royal Trux und zurück, aber jede Form von Leidenschaft bleibt auf »No Wow« leider auf der Strecke. Vielleicht könnte VV tatsächlich wie Chrissie Hynde klingen, wenn sie deren aufsässige Rotzigkeit eines nachlässig ausgespienen »fuck off!« nicht mit aseptischer Apathie verwechseln würde. Tatsächlich sind die überzeugendsten Momente auf »No Wow« die, in denen sich die Kills nicht verbiegen, um möglichst abgefuckt zu wirken. Zwischen den vehement auf Minimalismus zurechtgestutzten Stücken, denen im Coolness-Schockfroster ganz schön der Geschmack abhanden gekommen ist, findet sich zum Beispiel »Rodeo Town«, das Stück, mit dem die Kills ganz kurz ihr tonnenschweres Image-Mäntelchen abwerfen. Sollte es auch ein drittes Album geben, wäre es toll, wenn es genau an dieser Stelle ansetzen würde.

LABEL: Domino Recording Co

VERTRIEB: RTD

VÖ: 21.02.2005

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1 Kommentar:
  1. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » »A list of words«:

    [...] (2003) und »Midnight Boom« (2008), nicht aber so verspielt wie das zu »No Wow« (2005). So sieht’s aus: Schön [...]

     
 
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