Charlotte Hatherley
Grey Will Fade
Text: Felix Bayer
Charlotte Hatherley ist die Gitarristin von Ash, jener Band, die alle zwei Alben ganz großartig ist, dann nämlich, wenn sie herrlich überdrehten Bubblegum-Noise-Pop spielt. Leider finden die Mitglieder dann aber beim nächsten Album stets, dass sie ernst genommen werden müssten - und spielen zähen, amerikanisierten Rock. Nach dieser Rechnung müsste die nächste Ash-Platte wieder sehr gut werden. In der Zwischenzeit gibt es aber nun diese Soloplatte von Charlotte Hatherley, die schon ein paar Ash-B-Seiten-Songs geschrieben hatte und einen längeren Aufenthalt in Los Angeles nutzte, um schnell mal ins Studio zu gehen. Das Ash-Dilemma findet sich ein wenig auch auf dieser Platte, die beiden Balladen sind fußlahm, »Stop«, die Hommage an Sonic Youth und Neil Young, scheint nicht enden zu wollen. Doch es ist jetzt rhetorisch etwas ungeschickt, das Negative zuerst zu sagen, denn überwiegend macht dieses Album große Freude. Es fängt schon sehr gut an mit einer euphorisierten Respektsbezeugung an Kim Wilde, vermutlich ein Jugendidol der jungen Charlotte. Ein Song wie »Paragon« funktioniert ähnlich, quirlig, melodiös, mit schönen Wechselgesängen, als würden Weezer Songs von den Go Go\'s nachspielen (oder umgekehrt?). »Summer« könnte von den frühen Breeders sein und fasst griffig zusammen, was am Sommer gut ist: »Serotonin And The Vitamins C, D And E«. Noch besser: »Bastardo«, der Rachesong über einen Antonio, der nach einem One-Night-Stand einfach mit Charlottes Gitarre abhaut - möge der Übeltäter sich im Lied wiedererkennen und sich heftig schämen!
LABEL: Double Dragon / PIAS
VERTRIEB: RTD
VÖ: 15.11.2004

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