Matt Sweeney & Bonnie »Prince« Billy
Superwolf
Text: Jan Niklas Jansen
Auf der Tour zu »Ease Down The Road« zeigte sich Will Oldham so erratisch, wie man es wohl von ihm erwartet. In Frankfurt endete ein Konzert kläglich, weil dem hübschen Prinzen Billy die Decke zu niedrig war. Am Abend darauf spielte er in Köln eines der besten Southern Rock-Konzerte überhaupt. Zerbrechlich balladesk wirkte da wenig, in einigen Momenten lag eine gute Spur Lynyrd Skynyrd-Gitarrenduell in der Luft. Auf der rechten Seite der Bühne stand ein Mann, der so unglaublich übel nach Redneck aussah, dass man sich wunderte, warum da keine Flinte auf seinem Verstärker lag.
Man hätte an diesem Abend wohl kaum gedacht, dass genau dieser Typ wenig später mit Billy Corgans neuer Band Zwan um die Welt reisen würde. Um dann Dave Grohls wichtigster Mitarbeiter bei Probot zu werden. Angesichts dieser Alben und in Erinnerung an das Konzert in Köln hätte man denken sollen, dass Matt Sweeney als Kollaborateur von Will Oldham dafür sorgen würde, dass dieser nach seiner Nashville-Platte nun seine Allman Brothers-Phase einleitet. Stimmt aber nicht.
Zusammen haben die beiden die eher an Folk denn Country geschulte Zerbrechlichkeit der frühen Palace mit der instrumentellen Sparsamkeit von »Arise, Therefore« in der Klangqualität der Bonnie »Prince« Billy-Alben verbunden. Und während die Gitarrenmelodien immer wieder beweisen, dass sie von Post-Rock genauso viel zu erzählen haben wie von der Musiktradition der Appalachen, singt Will Oldham so befreit und schön wie schon lange nicht mehr. Und dann die Momente, in denen die beiden gemeinsam singen: Das klingt ganz erhaben wohlig und zärtlich. Was angesichts der nach wie vor abgründigen Texte und der Vorstellung, wie diese beiden gesichtsbehaarten Träger wunderlich altmodischer Western-Kleidung sich derartig sanftmütig gegenseitig ansingen, noch schöner ist als so oder so schon.
Und da somit bewiesen ist, dass die beiden älteren Herren es mit den jüngeren Kollegen wie Iron & Wine oder Sufjan Stevens noch jederzeit aufnehmen können, tun sie uns ja vielleicht doch noch den Gefallen, beizeiten ihr großes Rockalbum aufzunehmen.
LABEL: Domino Recording Co
VERTRIEB: RTD
VÖ: 17.01.2005

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