Justus Köhncke

Doppelleben

Text: Tobias Thomas

»Doppelleben« - ein verblüffender Titel für das dritte Soloalbum von Justus Köhncke, hatte man doch den Eindruck, als habe er spätestens auf »Was ist Musik« die Bandbreite seiner Leidenschaften offenbart, vom wohlformulierten Schlager bis zum ausdauernden Disco-Kick, von der Romantik bis zum Hedonismus. Das verwirrte manche Kleingeister schon genug. Wo sollte da ein noch weiteres Geheimnis sein? »Doppelleben« gibt keine Antwort, es beharrt stattdessen auf der Vereinbarkeit der beiden Pole von Köhnckes musikalischer Welt, seiner zwei Leben meinetwegen.

    Und schenkt uns ziemlich zu Anfang so etwas wie die Poetik des Köhnckeschen Schaffens: »I´ll do it as long as I can dance to it«. Nicht jeder wird tanzen wollen zu einer brüchigen Ballade wie »Wo bist du« (keine Coverversion des gleichnamigen Peter Maffay/Giorgio Moroder-Schlagers übrigens, sondern ein Köhncke-Song, der wie gecovert klingt), aber man kann sich vorstellen, dass Köhncke dazu tanzen kann, stylish und angreifbar zugleich. Er leiht sich die Melodie von Carly Simons »Coming Around Again«, um große Sätze über die Liebe zu sagen. Er sagt, sein Hobby sei das Komponieren von C-Teilen - und schreibt tatsächlich wunderbare, wie bei »Herz aus Papier«. Er schafft es, mit »Weiche Zäune« eine Utopie der Disco-Gemeinschaft und den Zweifel daran zugleich zu beschreiben. (Großfreund Dirk von Lowtzow hat die Metapher schon aufgegriffen.)

    Und wenn er keine Worte macht, dreht sich die Disco-Bassline von »Elan« fast zehn Minuten lang in die Euphorie, triggert »Schwabylon« die Sound-of-Munich-Assoziationen an, wartet »Timecode« darauf, mit Gwen Stefani vermählt zu werden. Musik für die Entäußerung des Körpers; Texte, die Gefühle entäußern; Bilder, die Denken auslösen. Diese Platte will verdammt viel, diese Platte kann aber auch verdammt viel - nämlich mehr, als andere in zwei Leben nicht schaffen könnten.

LABEL: Kompakt

VERTRIEB: Kompakt

VÖ: 31.01.2005

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