LCD Soundsystem

LCD Soundsystem

Text: Stephan Glietsch

Der Auskenner Nr. 1 geht in die Vollen. James Murphy ist eine Hälfte der New Yorker DFA, Labelmacher und Produzent von unter anderem The Rapture, Radio 4 und The Juan McLean, der Mann, der den Factory Funk und exzessiven Cowbell-Einsatz aus den staubigen Ecken der Vergangenheit unter die Hauptstraßenlaternen der Gegenwart gezerrt hat. Als LCD Soundsystem macht er es uns endlich auf Albumlänge, und so checkermäßig das selbstbetitelte Debüt dank der Verweise auf The Fall, Television, NY-NoWaver und Elektro-Funker wie Liquid Liquid und E.S.G. oder deren britische Verwandte A Certain Ratio vordergründig daherkommt, so unbedingt konsensfähig ist diese Musik. Das ist kein Nerdkram, niemals zu weit draußen, weder im Gestern noch im Morgen verloren, sondern steht mit beiden Beinen hier und heute fest auf der Tanzfläche unter einer riesigen, glitzernden Disco-Kugel ... die sich genauso in der Londoner Fabric wie im schummrigen Indie-Club um die Ecke drehen kann. Ergo genau die Art Sound, von der DJ Hell seit Jahr und Tag träumt - und dabei - weil so dermaßen mitreißend, raumgreifend, dynamisch und eben nicht nur hook-, sondern auch melodieverliebt - tatsächlich deutlich mehr gefühlter Maximilian Lenz als gelungener Helmut Geier.

    Murphy veredelt sein Wissen mit einer hochglänzenden Legierung aus metallischen Talking Heads-Chören, Roxy Music-Glamour, Eno-Ambient, Oden an Daft Punk, minimalistischen Kraftwerklullabies, Prince Roger Nelson-Offbeats und der perkussiven Basisarbeit der Discopunk-Stones in ihrer »Emotional Rescue«-Ära zu einem ganz eigenen Sound: Die Handschrift des Typen, der uns mit der augenzwinkernden Diggerhymne »Losing My Edge« zwei Jahre lang über die Tanzfläche gejagt hat, ist allen fünfzehn Tracks dieser Doppel-CD eingeschrieben. Weshalb Murphys Überhit hier natürlich genauso wenig fehlt wie seine weiteren 12"-Schlager »Beat Connection«, »Give It Up«, »Tired« und »Yeah«. Alle miteinander versammelt auf CD #2, die sich damit in bester Dancefloor-Tradition als Maxi-Compilation präsentiert. Aber auch via Tracklisting macht Murphy deutlich, dass er in beiden Welten spielt, denn CD #1 setzt sich ausschließlich aus neuem Material zusammen: Im Mittelpunkt steht die aktuelle Single »Movement«, drum herum gibt es achtmal die komplette Bandbreite Murphyschen Könnens - als Klammer fungieren dabei die in der Tradition von Bass-tritt-Beat-Stompern wie »Losing My Edge« und »Beat Connection« stehende Hommage »Daft Punk Is Playing At My House« und (als Outro) die programmatische Hymne »Great Release«: ein Hauch von Hihat, das Klacken der Snare, hymnische Piano-Chords, langsam anschwellende Chöre und Synth-Flächen, im bombastischen Crescendo untermalt von rollenden Läufen über die Toms.

    The Sound of großes Kino.

LABEL: DFA Records

VERTRIEB: EMI

VÖ: 24.01.2005

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1 Kommentar:
  1. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » »Zehn Jahre DFA!« im neuen Video von Holy Ghost!:

    [...] Above (1979), das erste Album: Beaches & Canyons von Black Dice, das Grammy-nominierte Debütalbum von LCD Soundsystem, Hercules & Love Affair, Goldsworthys unrühmlicher Abgang, LCDs [...]

     
 
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