Isis
Panopticon
Text: Michele Avantario
Isis stehen seit 1998 für den vermeintlichen Widerspruch, Spielarten von Post-Rock mit hemmungslosem Pathos zu kombinieren. In Boston gegründet und mittlerweile in Los Angeles ansässig, konnte sich das Quintett um Sänger und Gitarrist Aaron Turner spätestens mit dem letzten, ebenfalls auf Ipecac veröffentlichten Album »Oceanic« (2002) auch hierzulande einen Namen machen.
»Panopticon« ist die dritte LP der Band und klanglich wie kompositorisch die bisher gelungenste. Das gute alte Wechselspiel zwischen Laut und Leise, Zerbrechlichkeit und Massivität, Harmonie und Dissonanz zählt zu den elementaren Merkmalen in Isis' Musik, wirkt hier aber alles andere als totgeritten, weil die sieben langen Tracks des Albums immer wieder, wenn auch manchmal ziemlich schleichend, unerwartete Wendungen nehmen. Ein ausgeprägter Sinn für Dramaturgie und eine Vorliebe für weite Spannungsbögen kann da schon mal zu minutenlangen Gitarrenmeditationen führen. Umso erlösender dann der Moment, wenn die Verzerrer angeschmissen werden und drei sich eben noch zärtlich umrankende Gitarren plötzlich in einem mächtigen Wall of Sound aufgehen.
Dieser Mischung aus düsterer Melancholie und gepflegter Aggression setzt Turner mit gelegentlichen, an Death Metal und Noise-Rock geschulten Gesangseinwürfen noch die Krone auf. Das ist dann manchmal doch ein bisschen zu viel des Leidens. Doch sei's drum: Wer auf in Musik gegossenen Weltschmerz steht und ein paar Dezibel mehr verträgt, dürfte hieran sozusagen Freude finden. Jetzt aber her mit dem Captagon!
LABEL: Ipecac
VERTRIEB: Soulfood
VÖ: 18.10.2004

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