Feist

Let It Die

Text: Mario Lasar

Feist kommt aus Kanada, wo sie zusammen mit Peaches und Gonzales in einem Haus lebte. Mit beiden hat sie bereits kollaboriert, doch hat ihre eigene Musik nichts gemein mit dem überdrehten Habitus ihrer ehemaligen MitbewohnerInnen. Feist verlegt sich vielmehr darauf, in ihren filigran arrangierten Songs eine Verletzlichkeit zu transportieren, die oft mit den Ausdrucksformen klassischer Jazz-Sängerinnen korrespondiert. In einigen Momenten erinnert Feist an eine nicht auf Jazz-Repertoire festgelegte Silje Nergaard, der es Spaß macht, ihre Stimme in immer neue musikalische Kontexte einzubetten. Die hier vorkommende Stilvielfalt streift sowohl zurückgenommene Akustikgitarrenbegleitung als auch weich gehaltene, elektronische Übungen in der Nähe von »Data Pop«. Exemplarisch für Letzteres ist die Coverversion des Bee Gees-Stücks »Inside And Out«, das ich zuerst für ein Original gehalten habe (was natürlich noch schöner gewesen wäre). Die Gibb-Brüder sind schon Meister ihres Fachs, muss man mal sagen. Das Schöne an der Version von Feist ist, dass sie Druck und Ausfüllung zugunsten einer provisorischen Gerüsthaftigkeit wegnimmt. Daneben gibt es auch Songs, die im typischen Sinne Jazz sind, indem sie auf das vom Genre vorgegebene Instrumentarium zurückgreifen. Alle Stücke verbindet die Nähe zur Ballade, die ungebrochene Lebensfreude nicht zu ihrem Recht kommen lässt. Umso schlimmer natürlich, wenn das Außen auf Sommer verweist und man sich innerlich wie Winter fühlt (sehr toll dargestellt in »Gatekeeper«). Feist richtet sich in melancholischen Gefühlscodes ein, die manchmal eine narzisstische Patina auf die Stimmbänder zaubern. Aber das steht ihr sehr gut, zumal sie ohnehin eine sehr schöne Frau ist, deren Musik allerdings verrät, dass sie auch ein Bewusstsein ihres Aussehens hat, natürlich (»fit but you know it«, wie Mike Skinner sagen würde).
    Feist ist übrigens auch auf zwei Stücken des neuen Kings Of Convenience-Albums zu hören, und wer das mag, sollte »Let It Die« auf jeden Fall mal ausprobieren. Außerdem arbeitet sie gerade mit Broken Social Scene, deren Album hier vor einiger Zeit Platte des Monats war, an deren zweiter LP. Aber ich höre jetzt lieber diese Platte und empfehle das weiter.

LABEL: Polydor

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 13.09.2004

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