The Black Keys
Rubber Factory
Text: Lars Brinkmann
Ihren alten Job als »Horticultural Technicians« mehrerer Mietshäuser verloren die Black Keys, weil sie einen Rasen nicht korrekt gemäht haben. »I always fuck up details like this«, bekennt der Drummer und Produzent des Duos, Patrick Carney. Und dabei ist er sich natürlich der Rückschlüsse gewahr, die diese Aussage im Zusammenhang mit ihrer Musik zwangsläufig provoziert. Die Black Keys kommen aus der Stadt des Gummis: Akron, Ohio. Nach »Tickfreakness« veröffentlichen sie mit »Rubber Factory« ihr zweites Album auf dem in Mississippi beheimateten Label Fat Possum (das Debüt »The Big Come« erschien auf dem winzigen Alive-Label), ihre kratzige Musik gehorcht nur einem Gesetz: dem des Blues.
Wer sich die Black Keys als eine Schnittmenge aus Doo Rag und The Baptist Generals oder notfalls aus The White Stripes und Jon Spencer Blues Explosion vorstellen mag, dem fehlen noch ein paar Sechziger-Referenzen zum gerechten Bild. Am deutlichsten tritt das im Spiel von Dan Auerbach zutage, ein Mann, der mit Sicherheit das ein oder andere Jimi Hendrix-Album in Ehren hält und auch schon mal etwas von Page und Clapton gehört haben dürfte. Aber im Gegensatz zu diesen mehr oder minder ehrenwerten Fossilien verliert sich Auerbach mit seiner Gitarre nie in der Stratosphäre der bewusstseinserweiternden Klangforschung. Statt LSD wird höchstens ein Schlückchen vom guten alten Schwarzgebrannten genommen, danach singt der 22-Jährige mit der Stimme eines stolzen Scharlatans seine zeitlosen Oden ans Weib, ans Leben und an den Tod. Solo-Ausflug und Gitarren-Gegniedel gehören bei den Black Keys ebenso wenig zum Repertoire wie abgewichste Cover-Versionen und der hundertste Aufguss derselben Schemata, kein »Baby please don\'t go«, nix mit »I woke up this morning«, stattdessen: Primal Noise.
Wurden die beiden ersten Alben noch in Bruchteilen eines Tages unter den Bedingungen des Underground im Keller realisiert, trauten sich The Black Keys für die Aufnahmen zu »Rubber Room« ans Tageslicht. Arbeitslos und Spaß dabei, konnten sie sich in einer stillgelegten Reifen-Fabrik, irgendwo im dunkelsten Industrieviertel Akrons, das »Sentient Studio« einrichten, um in aller Ruhe für mehrere Monate an ihrem Meisterstück zu feilen. Vor diesem Hintergrund bringt einen dieser schroffe Klotz erst recht zum Jubeln. Würde man das Klischee bedienen und irgendetwas vom ungeschliffenen Juwel schreiben, stellte sich nur die Frage, wer denn bitte so einen Stein schleifen möchte, und vor allem mit was? Anders: Hätte Rick Rubin dieses Album produziert, könnte es bei aller Anerkennung seiner Verdienste um das Spätwerk von Johnny Cash kaum besser klingen. »Rubber Room« ist Essenz, »Rubber Room« ist der Blues.
LABEL: Fat Possum
VERTRIEB: SPV
VÖ: 06.09.2004

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