Graham Coxon

Happiness In Magazines

Text: Mario Lasar

Glichen die ersten drei LPs noch hingerotzten, eher skizzenhaften Wutausbrüchen, die als Reaktion auf Coxons Unzufriedenheit mit seinem Popstar-Status als Gitarrist von Blur gelesen werden konnten, zeichnet sich seit dem letzten Werk eine Tendenz zu sorgfältigerem Songwriting und differenzierter Produktion ab. Um nicht zum Opfer von Selbstsabotage zu werden, hat Coxon hier die Aufgabe der Produktion in die Hände Stephen Streets gegeben, der in derselben Funktion auch für die ersten fünf Blur-Alben verantwortlich zeichnete.

    Im Vergleich zum Vorgänger fällt die neue Platte, mittlerweile bereits die fünfte, elektrischer aus, wird nicht so sehr von akustischen Balladen aufgelockert. Dabei besteht allerdings nie die Gefahr, dem dogmatischen Hardcore-Kurs zu verfallen, der Album Nummer zwei zu einer etwas eindimensionalen Angelegenheit machte. Coxon ist Hardcore-geschulten Spielweisen weiterhin nicht abgeneigt (vgl. die erste Single »Freakin´ Out«), aber mehr denn je besinnt er sich auf die Qualitäten, die auch die beste Phase von Blur ausmachen. Die Rekurrenz auf leicht zickiges 60s-Pop-Songwriting erweist sich als das angebrachte Mittel, die Instant-Wirksamkeit der Stücke herauszustellen. Illustriert wird diese Entwicklung am besten von »Bittersweet Bundle Of Misery«, dem (heimlichen?) Hit der Platte, der wie ein Remake von »Coffee & TV« klingt, ohne dadurch unnötig zu werden. Der Text zu besagtem Song kann als symptomatisch für die Platte gelten. Aus einer Position der Isolation heraus reflektiert Coxon sein Single-Dasein, was mal distanziert selbstironisch ausfällt, aber auch schon mal in Resignation mündet. Stellvertretend dafür steht das sich symphonischen Klängen annähernde »Are You Ready«, das der Autor selbst als Mischung aus Scott Walker und Ennio Morricone bezeichnet (was vielleicht ein bisschen übertrieben ist).

    Trotzreaktionen auf die selbstverschuldete Einsamkeit kommen in »No Good Time« zum Zuge, einem sympathisch schlechtgelaunten Anti-Party-Song, der seinen Ursprung in mangelnder sozialer Kompetenz hat. Aber obwohl dieses Album im Zeichen von mutwilliger Absonderung zu stehen scheint, wird Coxon nicht von Hoffnungslosigkeit angetrieben. Er ist nicht verbittert, sondern wundert sich nur über sich selbst. Wie es jeder manchmal tut.

LABEL: Transcopic

VERTRIEB: EMI

VÖ: 17.05.2004

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