Diverse

DJ-Kicks: Erlend Øye

Text: Mario Lasar

Wer jemals Erlend Øye beim Auflegen erlebt hat, weiß, dass man es nicht mit einem konventionellen DJ zu tun hat. Statt sich auf den Impact der konservierten Musik zu verlassen, ergänzt Øye die Platten in seinem Set durch gesangliche Begleitung. Er kreiert in dieser Hinsicht eine Art Personalunion aus DJ und M(aster of) C(eremony), zumal die Stimme nicht nur zum Singen benutzt wird, sondern auch als Instrument der Überleitung zum Einsatz kommt. Die Nähe zu einer traditionellen Auslegung des DJs, der zwischen den einzelnen Songs vermittelt, um den Eindruck harter Schnitte zu vermeiden, sollte dabei nicht als Opposition zum Mixing verstanden werden. Erlend Øye bedient sich auch dieser Technik, jedoch akzentuiert er seine Rolle als Performer stärker. Die Kunst dieser Methodik besteht darin, das richtige Maß zu finden.

    Das gilt umso mehr, als die hier vorliegende CD genau dem Aufbau eines Erlend-Øye-Sets entspricht. Die Vocal-Tracks, die der Sänger der Kings Of Convenience hier ausgewählt hat, kommen in der Regel ohne Gesangskommentar aus. Exemplarisch stehen dafür Jürgen Paapes »Soweit Wie Noch Nie«, »If I Ever Feel Better« von Phoenix oder Avenue D´s »2D2F«. Letzteres übrigens ein ausgesprochen amüsantes Stück, in dessen Text eine Frau ihren Liebhaber/Freund dazu ermahnt, in der Disco nicht so viel zu saufen, sie habe später keine Lust auf einen schlaffen Schwanz.

    Die Tracks, die im Original Instrumentals sind, stattet Øye durch seine Gesangsbegleitung mit einer weiteren Ebene aus. Die Texte, derer er sich bedient, sind oft keine eigenen, sondern bereits existierende(u.a. von Elvis, The Smiths, Opus III). Gerade der hohe Bekanntheitsgrad der ausgewählten Stücke trägt dazu bei, das Publikum stärker an die Person des DJs zu binden. Die Tracks werden manipuliert, ohne in Bastardpop umzukippen. Was stattfindet, ist eine Art Vereinnahmungsprozess durch Øye, der einer Individualisierung gleichkommt, die funktionale Tracks zu eher datapopartigen Formen umwandelt. Manchmal ist der Effekt dabei leichtes Amusement, weil die Modifizierungen mit einer arglosen Naivität konnotiert scheinen, was aber einen zwanglosen Umgang mit vorgefundenem Material verrät.

LABEL: !K7 Records

VERTRIEB: RTD

VÖ: 19.04.2004

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