Bonnie »Prince« Billy
Sings Greatest Palace Music
Text: Markus Hablizel
Die notwendigen Fakten vorausgeschickt: Bonnie »Prince« Billy reinterpretiert seine eigenen Songs aus seinen drei Palace-Phasen bzw. -Verkörperungen (Palace Brothers, Palace Songs, Palace). Zu diesem Zweck hat sich Mark Nevers, der u.a. auch Lambchop mixt, hinter´s Pult geklemmt und der Prinz lud eine Handvoll blitzeblanker old school session musicians in ein standesgemäßes Studio nach Nashville. Das Resultat würde − zumindest streckenweise und eher ästhetisch als inhaltlich − auch Garth Brooks, Reba McEntire oder Trisha Yearwood nicht zwangsläufig vor den Kopf stoßen. Ihrwisstwasichmeine?
Aber wen interessiert das wirklich? Garth Brooks ist zwar eine Hackfresse erster Kajüte, er hat jedoch mit »In Another´s Eyes« einen herzergreifenden Song für die sowieso klar gehende Superstimme Trisha Yearwood geschrieben und gleich mit ihr aufgenommen. Und auch Reba McEntire ist schwer in Ordnung, nicht zuletzt wegen ihrer darstellerischen Tüchtigkeit an der Seite von Kevin Bacon in »Tremors − Im Land der Raketenwürmer«.
All die Streicher, die Uuuhhhuuus der gemischten Backgroundchöre, die allzu vertrauten Gitarren- und Piano-Sounds, all das zusätzliche kleine Gegniedel, die Professionalisierung der Brüchigkeit der Leadstimme, die Solis − all das ist mir scheißegal. Zumindest als potenzielle Gegenargumente, die wohl demnächst die Hardcore-Fanfront gegen Bonnie »Prince« Billy ins Feld führen wird. Kretins! Steckt doch seit Anbeginn der Charade kein Geringerer als Will Oldham selbst hinter den zahlreichen Pseudonymen. Der dauerhaft irritiert wirkende, heuer nicht mehr ganz so junge Mann ist nicht nur ein außerordentlich begabter Schauspieler, sondern hat auch den größten Spaß am gehobenen mindfuck, am durchtriebenen Vexierbild, am Hakenschlagen galore − hat hier jemand Richard D. James gesagt? Zwar irritiert des Prinzen Umzug nach Uptown Nashville zu Beginn ein klein wenig, aber spätestens nach dem zweiten Hören bin ich wieder bereit, mich vor ihrer Durchlaucht zu verneigen. Aber kein Wunder, ich würde selbst Ronnie Milsap nicht von der akustischen Bettkante stoßen.
LABEL: Domino Recording Co
VERTRIEB: RTD
VÖ: 29.03.2004

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