OOIOO

Kila Kila Kila

Text: Frank Geber

Etwas Geklimper und Geklapper, ein Stück, das plötzlich da ist, als hätte es gar keinen Anfang nötig gehabt, als wäre es ganz nebenbei aus der ohnehin vorhandenen Luft herausgeschnitten worden. Geräusche, die das Bewusstsein wie flüchtige Gedanken entern, Geräusche einer Band wohlgemerkt, erzeugt mit Gitarren, Bass, Schlagzeug, Kuhglocke, Orgeln, Perkussivem, Trompete, Piano, Keyboard, Kontrabass, irgendwo angeblich sogar mit einer Violine. Aus den Klängen und Sounds brauen sich lose Strukturen, Melodien, Motive, festgezurrte Pointen, Chaos generierende Überlagerungen zusammen. Die Aufmerksamkeit wird in einen Bann aus psychedelischer Weitschweifigkeit gezogen, Seltsamkeiten purzeln durch den Raum.
    Der Raum heißt Pop, aber die Protagonisten tragen vermutlich Kostüme, die, mit einigen halbwegs stilsicheren Abweichungen ins Hippieesk-Beatnikhafte, durch plausible Wahrscheinlichkeit und legere Funktionalität überzeugen, obwohl es sich um kosmopolitische Trachten eines Paralleluniversums handelt, wo Vögel über Hände, Sprache, eine Zivilisationsgeschichte verfügen und Gehirnkapazitäten entwickelt haben, die von irdischen Menschen erst noch erschlossen werden müssen. Der Raum heißt also eventuell Pop, aber es dürfte inzwischen klar sein, dass Improvisation darin eine konstituierende Rolle zukommt, um systemische Turbulenzen zu nutzen und mit dem nächsten Trompetenschwung zur vorläufigen Kulmination der Songstränge zu flattern.
Was sich aus dem Infowisch und ein paar alten Platten in meinem Zimmer auf die Schnelle noch extrahieren lässt: OOIOO, von denen es bereits so einige Veröffentlichungen gibt, die mir leider alle unbekannt sind, wurde in der späten Mitte der 90er von Yoshimi (die ansonsten u.a. für Kim Gordon Schlagzeug bei Free Kitten spielt, ein Bandprojekt mit Cibo Mattos Yuka Honda betreibt oder seit der späten Mitte der 80er als Mitglied der Boredoms eine ähnlich freischwebende Musik wie mit OOIOO ausagiert, allerdings mit weniger Hippie-, aber mehr Punk-Einschlägen, debilem Humor, Krach-Eruptionen per minute) zunächst als Fake für einen Magazinartikel ausgedacht, kurz darauf aber tatsächlich gegründet.

LABEL: Thrill Jockey

VERTRIEB: EFA

VÖ: 15.03.2004

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