Pantha Du Prince

Diamond Daze

Text:

Wie oft mag wohl die gerade Bassdrum schon über diesen Planeten pulsiert sein, bis sie sich schließlich von den goldglimmenden, aber doch unendlich fernen Plateaus der Großstadtdiskos in die leicht schummrigen, aber doch für jeden vorstellbaren Vorstadt-Schlafzimmer von freundlichen Menschen wie denen von Dial herabgeschwungen hatte, und bis es denen dann möglich wurde, Tracks statt »Jack your Body« oder »French Kiss« ganz anschmiegsam »Schneeflieder« zu nennen oder »Butterfly Girl« – so wie in diesem Fall Pantha Du Prince? You’ve come a long way, baby – und es ist schön, dass du da bist – und offen für das alles.

    Der Hamburger Hendrik Weber hatte letztens schon sehnsüchtige Nebelschwaden als Glühen 4 ausgebreitet, äußerte sich als Panthel, Teil von Gaze und Duma, bewegte sich im Hamburger Indiehouse-Labelgefüge. Und nebenbei ist er auch Bassist von Stella. Die zehn Tracks von »Diamond Daze« sind nun sein Debütalbum als Pantha Du Prince für Dial. Und sie passen ob ihres Privatismus und ihrer offen ausgestellten Nachdenklichkeit ganz wunderbar auf dieses Label. Die akustische Gitarre, die ja auch den ebenfalls poprocksozialisierten Modernist nicht loslässt, findet sich hier wieder, das Hymnische von Kaito, das Dissonant-Melancholische von Lawrence. Aber auch das Knarzen von Studio 1 und Profan, das Treibende von Speicher-Releases. Am Ende singt sogar jemand, und es klingt wie Klaus Kotai, wenn er mal nicht mit dem linken Fuß zuerst aufgestanden ist. »Post-Techno für den romantischen Menschen« nennen die vom Label das selber, aber das stimmt nicht. Denn erstens ist auch das hier immer noch Techno – auch hier wird, bei allem Privatismus, gerockt. Und zweitens sind auch die echten Raver sowieso immer schon Romantiker (würden sie sich sonst in Sinneseindrücken verlieren wollen?). Man sollte das gar nicht gegeneinander ausspielen, Ekstase und Nachdenken, beides ist wichtig in so einer Nacht.

LABEL: Dial

VERTRIEB: Kompakt

VÖ: 01.03.2004

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