Die Türen

Das Herz war Nihilismus

Text: Felix Bayer

Ach du meine Güte! Ob man wohl von so etwas wie einer Münsteraner Schule sprechen sollte? Leute mit großer Popkennerschaft, gleichermaßen von Indie-Gitarren wie von Club-Beats begeistert, immer ironisch, immer auf dem schmalen Grat zwischen genialischem Eklektizismus und totaler Schrottvogelei. Bisher sind als Mitschüler aufgefallen: Gautsch, Kirmes, Erobique und, als Austauschschüler, Lotte Ohm. Jetzt können auch Die Türen dazugezählt werden, obwohl die drei in Berlin wohnen (aber zumindest Ramin Bijan und Gunther Osburg haben früher mit Münsteranern zusammengespielt).

    Was Die Türen auf jeden Fall können, ist: absolut mitreißende Refrains schreiben, gute Beats machen, immer neue Ideen entwickeln, glänzend Jochen Distelmeyer in der »L´Etat et Moi«-Phase imitieren. Oder soll man sagen: parodieren? Wenn sie singen: »Auf Klassenfahrt durch meine Welt, klasse Kampf, oh klasse: Geld!«, dann kriegen sie die Wortspielvorliebe ebenso genau hin wie die Atemlosigkeit des Sprechgesangs. Nur: Was soll uns das sagen? Unüberschaubar ist die Zahl der Slogans, die auf diesem Album hingeworfen werden: »Spaß macht mir keine Freude«, »Wochenendrevolution (...) die Pose als Position«, »Du bist der Stern, wir sind die Türen, du hast uns gern, weil wir dich so checkermäßig verführen«. Alles ist dreifach abgesichert: »Es geht hier nun mal um alles«, aber dann »Es geht hier nun mal um gar nichts, zwischen Kunst und Entertainment«. Dazwischen Fußball- und SciFi-Metaphern, Tiefgründelndes und Schmunzelndes, eine NdW-Stilübung und eine DooWop-Ballade über einen Skinhead mit Liebeskummer, Bolz-Elektro und eine Austro-Pop-Coverversion. Man hält es nicht aus.

    Und trotzdem gibt es immer wieder diese catchy Stellen, wo die Musik schwingt, der Refrain sich öffnet - der Missing Link zwischen Ween und International Pony vielleicht? Dieses Album ist die Hölle, die Jungs-Nerd-Ironie-Überbegabungs-Hölle. Und doch sind Pophits drauf. Nicht »Crazy In Love«, das hier hat das Zeug zur peinlichen Lieblingsplatte.

LABEL: Staatsakt

VERTRIEB: Kook

VÖ: 15.01.2004

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