Diverse
Pop Ambient 2004
Text: Peter Abs
Sequel zu einer Idee: das Grelle (Pop) mit einer feinen Membran überziehen, das Durchschimmernde aufsammeln und neu zum Glühen bringen. Keine passende Idee zum Unternehmen »Pop Ambient« wäre Sedativum oder Hangover-Rekonvaleszenz, denn diese Musik trägt Tumulte in sich aufbewahrt. Wie der Wanderer durchs Unterholz bei Wolfgang Voigts Gas-Projekt, der schließlich auf Acid war. Schon bei früheren Folgen der Reihe habe ich oft an das atmosphärische Milieu der F.S.K.-Zeile »Zeppeline stehen in der Luft« oder überhaupt an ihr »Coda«, mit weit nachhallender Gitarre plus schwirrendem Glockenspiel, denken müssen. Hier auch wieder, zumal ein zu langem Nachklang stehengelassener Gitarrenakkord diese Sammlung von Ambient-Tracks für 2004 einleitet. Es ist Klimek, der am Ufer steht und so lange Goldstaub in die Brandung träufelt, bis die Gezeiten wechseln. Das passiert auf dieser Platte einige Male, denn zwischen der imposanten Schwerfälligkeit der Klangmassive von Wolfgang Voigt a.k.a. All und Tetsue Sakaes getupfter Etüde mit Slomo-Sequenz und Panflöte (!) liegt ein Ozean. Aus dem nicht nur einmal eine Gitarre auftaucht. Auf Jörg Burgers »Ral« noch fast ummerklich in sublimes Simmern (mit nochmal Panflöte) verwoben, übernimmt sie auf Donnacha Costellos Nicht-Requiem »To Thee This Night (I Will No Requiem Raise)« die Hauptrolle und entlässt eine Tonfolge, die gehörig an ein Doch-Requiem, nämlich an »Doo-Wop In Harlem« von Prefab Sprout erinnert. Costello hat übrigens auch eine Hand für gut weltzugewandte Plattentitel: »Growing Up In Public«, »Together Is The New Alone« oder »Pleite«. Ein Talent, das ihn mit Markus Guentner eint, dessen Beitrag hier »Damit du endlich weißt, ...« heißt. Drei Pünktchen schwärmen aus und wachsen zu Assoziationsketten heran, die die Musik, wieder mit typischen Windspiel-Sounds, erwidert. Gleich doppelt vertreten ist der Neuseeländer Andrew Thomas, in dessen Tracks kurze Streichermotive stetig anbranden und sich verflüchtigen, unbeirrt von mikroskopischen Störpartikeln, die an ihnen nagen wollen. Ulf Lohmann schließlich präsentiert mit »Audrey« eine Skizze in der Tradition von Gas. Stichwort Tradition. Hier werden ausreichend alte Häute abgeworfen, um vom schmalen Grat zwischen Reife und Routine auf die richtige Seite zu hüpfen. Verlasst euch drauf.
LABEL: Kompakt
VERTRIEB: Kompakt
VÖ: 19.01.2004

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