Oneida
Secret Wars
Text: Carsten Sandkämper
Es wäre schön, diese Platte so griffig und treffend beschreiben zu können, wie es die Musik vorschreibt. Alles an Oneida ist tight, angespannt, straff, pointiert. Ein wenig Hysterie, viel Dreck, eine unbeschreibliche musikalische Vision und der ebenso schlecht zu erklärende Drive machen »Secret Wars« zu einem frühen Anwärter auf die vordersten Plätze in meinem persönlichen Jahrespoll 2004. Dabei folgen die New Yorker keinem Coolnessdiktat, sondern schöpfen Kraft aus ihrer 1997 eingegangenen Schicksalsgemeinschaft. Zehrendes Touren über den nordamerikanischen Kontinent, unzählige Exzesse, zerbrochene Bassgitarren-Hälse und diverse Gerichtsverhandlungen später spricht aus den psychoaktiven Songgebilden des Trios nicht nur Abhängigkeit von Musik als tonale Entäußerung, sondern eine gewichtige Wahrheit des Rock: Er muss weh tun. So zum Beispiel, wenn die Sechzehntel-Anschläge in »$50 Tea« durch die Hirnwindungen flitzen oder »Changes In The City« mit seinen über 10 Minuten im Kopf Platz für eine gehörige Can-Assoziation schafft (auch für eine - allerdings nicht unangenehme - in Richtung Pink Floyds »Ummagumma«). Immer wieder denke ich beim Hören an den großartigen Sound von This Heat, die ebenso wie frühe Neu! bei »Secret Wars« Pate gestanden haben müssen, anders ist das Klirren der Gitarren oder der glasklare, an Charles Hayward gemahnende Schlagzeugklang in »The Winter Shaker« kaum zu erklären. Wenn Oneida von irgendwem auf ein Regal zwischen Pere Ubu und Mercury Rev gestellt werden, greift das viel zu kurz, denn streng genommen lebt diese Band auf einer eigenen Etage, von der aus sie anderen so manchen Meilenstein in den Weg legen dürfte.
LABEL: Rough Trade Records / Sanctuary
VERTRIEB: Zomba
VÖ: 26.01.2004

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