Kommando Sonne-Nmilch
Der Specht baut keine Häuser mehr
Text: Thomas Mahmoud
Betreten Sie die Welt, machen Sie es sich bequem, und erleben Sie in gepolsterten Wohnzimmerwelten zeitlosen Punk intelligenter Art!
Immer wieder Hamburg. Immer wieder u.a. Punk-Poet Jens Rachut. ANGESCHISSEN, Blumen Am Arsch Der Hölle, Dackelblut [ ... ] und eben Kommando Sonne-Nmilch. Eine Truppe aus Schauspielern, Lebenskünstlern, Störenfrieden, Hosenträgern oder Musikern, die im Kulturdschungel der unbegrenzten Möglichkeiten schon öfters schräg aufgefallen sind: Die Goldenen Zitronen, Oma Hans, Slime und und und ... Aber wenn der exklusive Name schon mal auf der Hand liegt, sollte man mit ihm auch jonglieren dürfen. Gerade wenn der Raum so begrenzt und das Angebot so groß ist. Der blinde Passagier muss sich ja zurechtfinden können, damit er nicht in die falsche Richtung läuft und am Ende noch glaubt, sich beschweren zu müssen. Denn es scheint Dinge auf der Welt zu geben, die »magisch wie ein UFO sein können«. Kommando Sonne-Nmilch: Flugnummer LC 12362 von Hamburg Richtung Welt. Die Truppe befindet sich auf Sinkflug, es regnet in Strömen, ein dauerhaftes Unwetter, Sicherheitsgurte kaputt, das Lächeln nicht echt, Fallschirme unnötiger Ballast, die Kapitäne zum Tower: »Irgendwas sieht immer aus wie ne Landebahn und das ist auch gut so«. Was bei Rachut und Co. vielleicht den Ruf aus einer kranken Gesellschaft heraus meint: »achtung achtung - dies ist eine übung [ ... ] ausdruckslos und starr sitze ich auf meinem weinfass und harre der dinge und warte tatsächlich auf ein wunder vielleicht begünstigt diese haltung ja dass es wirklich geschieht.« Das Leben ist kein Ruhekissen: das Unbehagen einer Gesellschaft, der lange Atem und das Hoffen auf ein Wunder, die Feiertage der Geschichte. »Der Specht baut keine Häuser mehr« ist der Titel einer kleinen, bizarren Geschichte, die sich um Genrekonventionen nicht schert, sondern textlich wie auch musikalisch andere Pfade einschlägt als die oben genannten Bands (Achtung Namedropping!). Was am »10. September« geschah und wie die Geschichte ausgeht, erfahrt ihr, wenn ihr euch 58 Minuten und 57 Sekunden Zeit nehmt.
LABEL: Sounds of Subterrania!
VERTRIEB: Cargo Records
VÖ: 01.12.2003

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