Phantom Ghost

To Damascus

Text: Peter Abs

Da wo am Hause Ladomat Glyzinien schön und giftig ranken, dort haben Dirk von Lowtzow und Thies Mynther ihre Gemächer. PG, diese Initialen schmücken rubinrot und einladend, aber auch warnend ihre Schwelle. Sie stehen für Passion/Gracefulness, können aber auch Poison/Gloom bedeuten. Wer mit P/G der Losung »To Damascus« folgt und die Reise antritt, gerät offenen Auges in einen süßen Raum- und Zeitschwindel, sieht Ufer in der Wüste und nähert sich einer Umwandlung, wie sie die Redensart meint, die da »sein Damaskus erleben« heißt. Im Taumel machen Orte und Gesichter die Runde: Alter Orient und geheimes Europa, bevölkert von Yves Saint Laurent, Peter O´Toole, August Strindberg und Lady Godiva, mit ihnen Ideen von Anmut und Selbstverschwendung, Grazie und Ruin. Zwei Jahre nach dem Debüt und einer wunderbaren Coverversion von (Nicos’) »These Days« für die Geistesverwandten vom Hamburger Dial Label haben Lowtzow und Mynther offenbar ihre musikalische Verständigung für »To Damascus« mit den nur allerfeinfühligsten Antennen füreinander betrieben.

    So setzt Produzent Mynther bei den großen Dancepop-Nummern der Platte (»Sticky Paws«, »My Secret Europe«, »Judgement Day«) kleine, umeinander wirbelnde Vignetten auf seine Beats, die Lowtzows Stimme transparent umfließen wie eine Musselin-Bluse von Yves Saint Laurent, den P/G hier gleich in zwei Songs auftreten lassen. Einmal mit der Aussage aus einem berühmten Coming-Out-Interview, er sei bereits mit einem Nervenzusammenbruch zur Welt gekommen. Ein anderes Mal in »St. Lawrence« (mit Cello und Shamisen hinreißend instrumentiert), in dem der bildhübsche, hyperempfindsame und vom Militärdienst gepeinigte YSL schutzbedürftige Schönheit verkörpert. Vom Abschütteln des alten Ich, wie es in Strindbergs Drama »Nach Damaskus« der »Unbekannte« will, handeln bei P/G Zeilen wie »I don´t find you guilty of the things you accuse yourself of«. Weg mit falscher Selbstbezichtigung! Und auch die äthergetränkten, kammermusikalischen Partien (»Laudanum«, »Intermission«) steuern auf Selbstverwandlung mit narkomanischer Entrückung zu. »We tumble and we twirl« heißt es zuletzt treffend im betörenden »Nothing Is Written« (erste Singleauskopplung, co-produced by Justus Köhncke). Mit dieser an tollen Sätzen (wie viele davon müssen hier leider unerwähnt bleiben!), Song- und Soundideen überreichen Platte trete ich die Reise gerne an, auch wenn die Route (»nothing is written in the stars«) keine Richtungsanzeige kennt. Gemäß der Maxime, die Verirrung nicht zu fürchten, sondern zu genießen!

LABEL: Ladomat

VERTRIEB: Mute Records

VÖ: 19.05.2009

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