International Pony
We Love Music
Text: Mario Lasar
Die neue Supergruppe! Die, wenn man sie im Fernsehen sieht und die Musik hört, alles richtig zu machen scheint, ohne dass man denkt : »Mann, das muss aber schwer sein, nichts falsch zu machen.« Müheloses Stil- und Geschmacksbewusstsein, willkommen im Style Council? Naja, der Mod-Gedanke des »clean living under difficult circumstances« (Pete Meaden), also die einzige mögliche Art zu leben, blitzt hier schon auf. International Pony, bestehend aus DJ Koze, Erobique und Cosmic DJ sind elektronische Mods mit einer Liebe zu Soul, die sich in einem befreiten, unverkrampften Umgang mit Popmusik äußert, der dennoch ein Bewusstsein ihrer sozialen Wirkung und Funktion verrät.
Die Musik auf dieser Platte ist darauf ausgerichtet, Räume zu erschließen, in denen Menschen lernen, miteinander umzugehen und auf verschiedenen Ebenen zu kommunizieren. International Pony wollen Gegenwelten schaffen, die das schlechte Leben ersetzen durch eine nie endende, universale Party. Eine Party, zu der (fast) jeder Zugang hat. Davon kündet nicht nur ein einladender, die ganze Platte umspannender Gestus, sondern auch die Tatsache, dass der neue Mini-Trend, seine Musik nicht mehr spezifizieren zu wollen (»Was ist Musik«, »Music Is Okay«) scheinbar einem Misstrauen gegen allzu klare Abgrenzungen geschuldet ist, die zu potenziellen Ausschlüssen führen könnten. Dazu passt, dass etwaige Referenzen eigentlich keine Rolle spielen, weil alles so natürlich fließt, als wären International Pony mit dieser Musik in sich auf die Welt gekommen.
Schon das Eröffnungsstück »Pony the funk« stellt die ideale Atmosphäre her für einen downgepitchten Sommerabend, an dem man sich mit ein paar Bier im Park trifft. Referenzen, die man in diesem Kontext an die Band herantragen könnte, ohne dass diese ihr notwendigerweise inhärent wären, sind Roy Ayers, War oder die bekiffteren Stücke von Sly & The Family Stone. Obwohl dies nur einen Aspekt dieser Platte widerspiegelt, setzt sich der Eindruck einer mellow Freundlichkeit durch. Die überwiegend sehnsüchtigen, nach anderen Orten strebenden Stücke mit manchmal untröstlichem Unterton, die DJ Kozes Liste mit persönlichen Lieblingsliedern aus der Titelstory vor zwei Jahren dominierten, scheinen hier in mancher Hinsicht in zeitgemäßere Ausdrucksmodi übersetzt worden zu sein. Gleichwohl erschöpft sich der Vibe dieser Platte nicht in einem eindimensionalen Ansatz. Der Party-Hedonismus, den DJ Koze in der Viva-Plus-Sendung »Club« so toll proklamierte, findet auch hier seinen Niederschlag.
Am deutlichsten wird dies vielleicht in dem electro-punkigen »My Mouth (phony the punk)«, dessen Text eine doppelbödige Qualität hat. Zum einen geht es um epiphanische Nachtlebenreflexionen im Rainald-Goetz-Stil, aber auf einer zweiten Ebene scheint auch ein fast vergessener Poser-Vorwurf reaktiviert zu werden, der aus den einstigen part-time Punks part-time Hedonisten macht. Auf unterschwellige Weise avancieren Echtheit und Freundschaft, eingebettet ins Zelebrieren sozialer Räume, zu zwei fundamentalen Koordinaten dieses Albums. Das Nachtleben kehrt sich um ins eigentliche Zuhause, dem eine Wärme innewohnt, deren Quelle die Beach Boys vor dreißig Jahren noch in der Sonne verorteten. An deren Stelle hängt hier die Discokugel.
LABEL: Columbia
VERTRIEB: Sony
VÖ: 05.08.2002

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