Review: 50 Cent Get Rich Or Die Tryin´

Der faszinierende Effekt bei Duchamps »Großen Glas«, einem meiner liebsten Kunstwerke, ist das Spannungsfeld zwischen Distanz und Begehren. Nicht nur, weil das Werk von Verlangen handelt, sondern auch, weil sein durchsichtiges Material die abstrakten Figuren so ungreifbar macht und eine Vertiefung des Blicks immer wieder scheitert: Wir blicken nicht AUF ein Bild, statt dessen sehen wir eher DURCH das Glas. Durch Glas blicken wir auch auf das Cover von »Get Rich Or Die Tryin´«. Dahinter steht der wohl authentischste East Coast-Gangster (neun Kugeln hat er in seinem muskulösem Körper getragen), den die aktuellen US-Charts (Platz Eins für Single und Album) gerade zu bieten haben. Mein Stück Distanz zum Phänomen 50 Cent hat dabei mehrere Gründe. Sein nuschelnder Sing Sang-Style überzeugte mich erst nach mehrmaligem Genuss eines sicher zu langem Albums, und die Wahrheiten, die er unterbreitet, kann ein Mittelklasseweißbrot nordrhein-westfälischer Herkunft nur abstrakt verstehen – bei Tracks wie »What Up Gangsta« und »Many Men (Wish Death)« bin ich wohl kaum angesprochen. »Bei Hiphop funktioniert der Genuss gerade über das Nichtgemeintsein, über das numinöse GANZ ANDERE der armen, ausgebeuteten schwarzen Menschen«, schrieb hingegen Diedrich Diederichsen über die erste Hoch-Phase von (nicht nur) Gangsta-Rap. Warum das in diesem Fall anders ist, fällt mir schwer zu erklären. Natürlich besitzen die Beats (vom Traum-Team Mathers & Dre) eine merkwürdig künstliche Kühle, und ist der Ich-Erzähler von »Get Rich Or Die Tryin´« als Stereotyp zu viele Jahre Teil der Kulturindustrie, so dass es mir schwer fällt, zu diesem in der Anlage zirkulierenden Produkt CD einen emotionalen Bezug aufzubauen. Trotzdem habe ich die Platte nie wirklich bei Seite gelegt. Immer wieder wollte ich näher ran, was mir selten gelingen wollte. So lauschte ich öfter und öfter, und mein Begehren wuchs. Mittlerweile glaube ich zu wissen, was der ganze Hype soll. In der Champions League von Jay-Z und Eminem hat auch 50 Cent seinen Platz verdient.

LABEL: Interscope

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 24.11.2003

JUICE Magazin abonnieren
SPEX ABO
BESTELLEN
UND TOLLE
PRÄMIEN
SICHERN!

 
 
 
ZUM SHOP
spex_no368_final_cover_154px_kiosk
DIE NEUE
AUSGABE &
BACK ISSUES
JETZT
VERSAND-
KOSTENFREI
BESTELLEN!
 
 
ZUM SHOP
616892376842

Dälek »Asphalt For Eden« / Review

Dälek bleiben mit neuer Besetzung ihrem alten Konzept treu und entwickeln sich trotzdem weiter.

VenetianSnares2_byAdamMichaud

Vorglühen im Berghain: Before Tauron Nowa Muzyka Festiwal 2016

Weil ohnehin niemand mehr checkt, zu welcher Tageszeit man am besten ins Berghain geht, gibt es dort nun auch ein Warm-up-Programm – für das polnische Tauron Nowa Muzyka Festiwal. Venetian Snares, RSS Boys und Nervy treten auf.

agnes_obel_frank_eidel

Gestern hat es noch Rosen geregnet: SPEX präsentiert Agnes Obel

Agnes Obel kommt – und sie hat Erinnerungen mitgebracht.

WEB_027_Die_Heiterkeit_mhms_DSC7957_©_Malte_HM_Spindler_

Die Heiterkeit sind und bleiben »Im Zwiespalt« – SPEX präsentiert live

Die Heiterkeit machen ernst: Pop & Tod I+II wird das dritte Album der Hamburger Band heißen, das am 03. Juni bei Buback erscheint. Nach dem Video zur zweiten Single »Im Zwiespalt« (kürzlich Weltpremiere bei SPEX) sind nun die gesammelten Tourdaten raus. SPEX präsentiert.

Alex Cameron-1

Eine geht noch: Torstraßen Festival 2016 mit finaler Line-up-Ankündigung

Sie kriegen nicht genug: Zum schon jetzt großartig besetzten Berliner Torstraßen Festival Anfang Juni kommen noch ein paar Perlen hinzu.

truemmer_interzone

Trümmer »Interzone« / Review

Einfache Bilder, Pop-Phrasen, für jedermann verständlich und doch auch in verschnörkelter Schrift denkbar: Paul Pötsch sing neuerdings von Neonröhren, swag und leuchtenden Skylines.

Claire Tolan_2_Anastasia Filipovna

Weltuntergang und Pu-Erh-Tee: Decession Festival in der Volksbühne Berlin

Claire Tolan, Foto: Anastasia Filipovna Das am 30. April in der Volksbühne Berlin stattfindende Decession Festival spricht gleich mehrere menschliche Wahrnehmungsorgane an und zeigt damit auf, was mit…

brianeno_theship

Brian Eno »The Ship« / Review

Brian Enos Warte ist die des auktorialen Erzählers, der aus einer dem griechischen Tragödienchor verwandten kommentierenden Distanz vom Scheitern menschlichen Strebens berichtet.

Dubokaj_up2_quadrat-1

Dub vom Berg: Dubokaj im exklusiven Album-Vorabstream

Dubokaj ist Dub-scientist aus der Schweiz und veröffentlicht am Freitag sein Debütalbum Alpine Dub. SPEX präsentiert den Komplettstream bereits vorab.

sekuoia

Sekuoia – Einsame Akkorde / Feature, Debütalbum & Tour

Nach drei Kleinstveröffentlichungen kündigt der Nachwuchsproduzent Patrick Bech-Madsen aka Sekuoia nun sein erstes Album an. Entgegen dem Trend zu Overnight-Express-Releases mit gehörig Vorlauf: flac wird am 16. September – wie seine letzte EP Reset Heart im vergangenen Jahr – via Humming Records erscheinen. Mit »Someone’s Problem« gibt es immerhin ein erstes neues Stück zu hören. SPEX traf den Dänen bereits, als er selbst noch nicht an ein Album glaubte – das Feature aus SPEX N° 360.

Alva Noto_Dieter Wuschanski

Im O-Ton: 20 Jahre Raster-Noton

Die Techno-Avantgarde aus Chemnitz feiert im Berghain Geburtstag. SPEX gegenüber erklären die Gründer von Raster-Noton, warum sie sich fühlen, als wären sie immer noch auf dem Spielplatz.

hieroglyphic_being_imgsize_buehne-1

Reif fürs Museum? 100 Jahre produzierte Musik im Haus der Kulturen der Welt

Die Organisatorinnen von POP16 führen zum selbstgewählten Jubiläum produzierter Musik zurück zu Produktionstechnologien und -orten, Musikstilen und -aufführungspraxen der Schellackzeit. Dabei geht es aber nicht um Musealisierung, sondern um Neuinterpretation und die Auswirkungen auf die heutige Musikwelt.