The Kills
Keep On Your Mean Side
Text: Hanno Stecher
Dass es weder einer kompletten Band, noch eines teuren Equipments bedarf, um RocknRoll zu machen, ist klar. Wurde ja auch gerade in letzter Zeit gerne immer wieder unter Beweis gestellt - man denke an die (Bass-losen) White Stripes. Wo die jedoch, gerade auch im Bezug auf den Lo-Fi-Charakter ihrer Musik häufig unter »Garage« oder »Neo-Garage« liefen, müsste für das, was die Kills machen, eigentlich eine neue Bezeichnung eingeführt werden. Irgendwas mit Besenkammer vielleicht, was auch immer das auf Englisch heißt. Denn in Sachen Lo-Fi ist hier wirklich Ende der Fahnenstange, weniger geht kaum noch. Man nehme ein bis zwei derbe RocknRoll-Riffs, einen Drum-Computer-Beat, (wenns hochkommt, dann auch mal ein echtes Schlagzeug und/oder ein Tamburin) und singe ein paar laszive, fertige Melodien oder halbe Mitsing-Refrains à la »Hey, Fuck The People« drüber. Song fertig.
Heraus kommt reduziertester, (und irgendwie verdächtig nach Hype riechender) Heroin-Rock mit erheblich hohem Trash-Faktor - musikalisch irgendwo ganz in der Nähe von Royal Trux anzusiedeln, jedoch mit mehr Punk- und Velvet Underground-Anleihen. Das Erstaunliche dabei: das Ganze rockt tatsächlich - mal mehr, mal weniger, aber letztlich immer irgendwie. Und das sollte man den beiden Kills angesichts ihrer extrem beschränkten Mittel hoch anrechnen. Letztlich stellt sich jedoch meiner Meinung nach das grundsätzliche Problem, dass es »Keep On Your Mean Side« trotz vieler genialer Momente kaum wirklich gelingt, über sich selbst hinauszuwachsen und frische Luft zu atmen. Zu sehr fühlt sich ein großer Teil der ganzen Geschichte nach einer gewissen Zeit dann doch nach Konzept an, ohne Konzept sein zu wollen. Man kann zwar also, so finde ich, definitiv eine Platte wie diese machen - gerade, wenn man es so gut macht. Mehr als eine dreiviertel Stunde trägt all das aber nicht. Das muss reichen.
LABEL: Domino Recording Co
VERTRIEB: Zomba
VÖ: 03.12.2003

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