Public Enemy
Revolverlution
Text: Markus Hablizel
Public Enemy ist die wichtigste Hiphop-Band ever, das steht außer Frage. Können wir gern drüber diskutieren, revidiert wird aber nix. »It Takes A Nation Of Millions To Hold Us Back« ist der hellste Stern am Hiphop-Firmament. 16 wahnsinnige Stücke zwischen aufrechtem Hass, Verschwörungstheorie, Realpolitikbashing, Flavor-Weirdness, Black Power-Parolen, schärfster Kulturkritik und das alles lauter als eine Bombe, produziert von den Soundterroristen des Bomb Squad, die mit ihrem Noise nicht nur die Hiphop-Community sauber verstörten. Danach war alles anders. Nein, hier geht es nicht um Heldenverehrung, hier soll nix schön geredet werden. Nach »Apocalypse 91...The Enemy strikes black« war der Ofen erstmal aus. Professor Griff war schon vorher wegen unglaublichster antisemitischer Äußerungen aus der Band geflogen, Terminator X produzierte mehr schlecht als recht windigen Hiphop-Nachwuchs, Flavor Flav schnupfte einen Sack Koks am Tag, verprügelte seine Frau und landete immer wieder im Knast und Chuck D meisselte seine gut lesbare »Autobiography Of Mistachuck« in Vinyl. Nach der eher verwirrt wirkenden 94er-LP »Muse Sick-N-Hour Mess Age« hagelte es ein paar Best Of-, Remix-, und Soundtrack-Alben, ein MP3-Streit mit Def Jam wurde angezettelt und 2000 probierten sies mit »There´s A Poison Goin On...« noch einmal. Zwar wollte man nach dem Hören nicht gleich eine Revolution anzetteln, doch irgendwie hatte man trotz allen offensichtlichen PE-Klassizismen den Eindruck, dass hier wieder jemand auf dem richtigen Weg sein könnte. Nun schneit - einigermaßen unerwartet - »Revolverlution« ins Haus, eine Sammlung aus 15 Jahren PE. Neue Tracks, historische Liveaufnahmen von Klassikern wie »Fight The Power«, Interviewfetzen, schrecklich-traurige Remixe von Fans und lustigen Skits. Beim ersten Drüberhören macht das Ganze einen recht zerfaserten, zusammengewürfelten Eindruck, was auch zehn Kopfhörerdurchgänge später kaum besser wird. Das mag alles nicht die Durchschlagskraft der PE-Nachfahren Dälek, El-P, Cannibal Ox oder Rubberroom haben - und zum Anachronismus neigen. Um aktive Hiphop-Fortschreibung kümmert man sich heute in anderen Lagern. Aber: PE können, was andere verlernt haben bzw. nie konnten. Eine deutliche Sprache sprechen. Und deswegen, genau deswegen!, ist »Revolverlution« mit dem zentralen Song »Son of Bush«, DEM Statement zur Lage der Nation, richtig und aus aktuellem Anlaß (Irak) doppelt wichtig: »Have you forgotten? / I´ve been through the first term of rotten / The father, the son and the holy Bush / Dont look at me / I ain´t calling for no assassination / I´m just saying, saying who voted for that asshole of your nation? / Deja Bush« und weiter im Hook: »He´s the son of a baaad / He´s the son of a bad man«.
LABEL: Motor Music
VERTRIEB: Universal Music
VÖ: 26.08.2002

TwitThis
Facebook
Buzz
del.icio.us
Google Bookmarks
Digg
Ping.fm
FriendFeed
Yigg
MisterWong.DE
Technorati
Netvibes
MySpace
Identi.ca
StumbleUpon



