Oma Hans

Trapperfieber

Text: Rocco Clein

Hamburg ist die Stadt der wahrscheinlich besten Musik aus Deutschland. The Beatles. The Phantom Brothers. Slime. Die Goldenen Zitronen. Blumfeld. Tocotronic. Tomte. Kettcar (fortsetzbar bis zum Vollbart). Und jetzt das, Oma Hans. PR-Maschine Thees Uhlmann berichtete einst von dieser in seinen Ohren so grandiosen Band. Nie gehört von denen, Thees. Es folgten unglaubliche Beschreibungen. Dann: lange gar nichts. Viel später: Post. Beide Platten von Oma Hans. Zweimal 180g-Vinyl. Zweimal extra dicke Verpackung. Darauf vierfarbige Gemälde. Nur kurz das auf 45 Umdrehungen laufende Debüt »Bremen-München-Karlsruhe«mit dem Wehrmachts-Soldaten und dem Federball drauf gecheckt. Huihuihui. Es folgt »Trapperfieber«. Vorne alles dunkel, Vorzeitmenschen, hinten: der bekannte Soldat in der Wüste. Ein Bus. Und eine Karawane aus Käfern. Dann die Musik. Alle Oma-Hans-Platten gibt es nur auf Vinyl, denn analoge 180 Gramm haben einen so guten Sound. Überall Wipers-Gitarren. Sehr hohe Parolen-Dichte. »Wenn das so weider geht, seid ihr bei mir?... Wenn ich alleine bin, keiner bei mir!« Oder »Treffen wir uns heute bei der Heilsarmee? Gröhlen wir ihre verdammten Lieder?« Oder »Das ganze Leben? Vorsicht!« Ist das gut. Nicht so knüppelhart wie Surrogat. Nicht so transparent im Sound wie Blumfeld. Nicht so edel wie die neuen Tocotronic. Aber hoch respektiert: »Riesige Freunde!« sagt Schorsch Kamerun. »Ja, da sind sie«, so Jan Müller. Kollege Frank Spilker ergänzt: »Ich war ein Fan von allen Jensen-Bands und bin ganz stolz, dass Oma Hans jetzt bei uns proben!« Jensen, das ist Sänger Jens, ehemals Angeschissen, Blumen Am Arsch Der Hölle, Dackelblut, Kommando Sonnenmilch; Bassistin und Ab-und-zu-Sängerin Peta, ehemals Die Braut Haut Ins Auge, Cow, einigen auch als Backing-Sängerin von »Sailorman« in der Tocotronic-Version bekannt. Dazu Gitarrist Andreas, auch Ex- BAADH und Dackelblut. Schlagzeuger Armin ist noch bei Kurt aktiv. Fast alles Bands, die mir in den letzten Jahren aus gewissen Gründen beschämenderweise nicht zwischen die Ohren kamen. Aberwerden. Kernsong der Platte ist zweifellos »Die Arche Oma Hans«. Jens ist Noah. Die Tiere sind Freunde oder Musiker der anderen Bands. Zuerst kommen die Mädchen, es folgen die Herren. Sinngemäß heißt es da: Jochen, hier wird nicht diskutiert. Oder Müller. Kamerun. Immer wieder kommt es zu Wipers / Dischord-Schreien und -Gebrülle. Gesang. Wie gut ist das denn? Wer macht denn sowas? Das ist sowas von vorn! Nur so soll Musik sein! Neu. Und »alt« und erfahren, was die musikalischen Koordinaten angeht oder den Produzenten Chris von Rautenkranz, dem die Produktion hörbar mehr Freude machte als die Auftragsarbeit vom schwierigen Jungen mit der Gitarre. Besonders gelungen: die Geräusche, die wie Keyboards eingesetzt werden: Baustellenlärm von Gitarren auf »In der Ukraine« oder Tierstimmen bei »Arche Oma Hans«. Du solltest dir überlegen, einen Plattenspieler zu kaufen, um nur noch diese Platte hören. Und die erste. Die anderen Platten der Jensen-Bands besorgen. Und auf die Tour im Januar gehen.

LABEL: Schiffen

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 07.10.2002

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