Mogwai

Happy Songs for Happy People

Text:

Dass Mogwais neue so wenig quietschfröhliche Happy-Happy-Aura mitbringt wie ihr Vorgängeralbum geradeaus galoppierende »Rock Action«, sagt nicht nur der Sound von »Happy Songs For Happy People«, sondern auch das kleine Einmaleins der Ironie. Dass diese offenbar ironisch betitelte Platte dennoch wie eine – wenn auch schleppende, teil-lethargische – Spielart von Glück klingt, könnte wiederum mit einem bei Mogwai gepflegten Ironiebegriff zu tun haben, der eine ironische Aussage als weitestgehend unironisch verstanden wissen will: »Hohe Ironie« verneint sich selbst, weshalb die Stücke auf »Happy Songs…« wohl genauso glücksduselig sein sollen, wie der Plattentitel behauptet. Und gemäß dieser fortgeschrittenen Variante von Ironie (deren Interpretation eigentlich verboten ist: »Post-Ironie« denkt nicht, analysiert nicht…) sowie meiner bescheidenen Meinung nach sind sie es WIRKLICH.

    Ja. Mogwais fünfte Platte – jetzt »geht es« – ist nothing but a Glücksgriff, atmet und transpiriert ansteckendes, gülden glänzendes Glück, hurra. (Und hätte eigentlich »Bag Of Agony« heißen sollen: was den Ironievorbau dieser Rezension überflüssig gemacht hätte, vor dem Hintergrund des Leuchtens von »Happy Songs…« jedoch der ironischere Titel gewesen wäre – aber lassen wird das.) Garantiert ironiefrei hergeleitet sind Mogwai wieder mal einen ihrer Ästhetik-fixierten Schritte weitergegangen, lassen Klavier- und Streicheröl über Gitarrenglut laufen und löschen das Ergebnis mit trockenen Drums bzw. gar nicht: Let it burn. Als unbedingt liebenswert fallen auch die Tracktitel auf, die z.B. »Moses? I Amn’t«, »Boring Machines Disturbs Sleep« oder »Golden Porsche« lauten. Wobei es mich am meisten freut, dass Mogwai ihren Ideen trauen, und diese Namen ihrer »Lieder« nicht etwa durch Lyrics plausibel zu machen versuchen: »Happy Songs…« nämlich ist elegischer, die langhaarigen Götter des Prog beschwörender Surround-Klang für ohne Worte, da sind sich Mogwai und ihre Hörer hoffentlich einig. Das verbale Schweigen überträgt sich spätestens, wenn an den Stellen, wo eben doch schemenhaft gesungen wird, die wabernden Stimmen wie Instrumente ertönen. Wenn der gute Luke Sutherland (u.a. Long Fin Killie) zur Violine greift. Wenn man von den doomenden Abgründen des Albums stückweise aufgesogen wird und so bald nicht wieder raus will. Winziger Wermutstropfen: die mit dem Arrangierwahn von z.B. Dave Fridmann verwandte Produktion Tony Doogans (Belle & Sebastian, The Delgados…), die zu vorhersehbar perfekt geraten ist. Ein paar Rostspuren, etwas mehr Brockigkeit hätte die Eleganz von »Happy Songs…« vertragen können. Egal. Was ich von Anfang an einfach nur loswerden wollte, bleibt: So, happy people, geht glücklich.

LABEL: Rock Action

VERTRIEB: PIAS/ZOMBA

VÖ: 11.05.2009

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