Mogwai

Happy Songs for Happy People

Text: Doris Achelwilm

Dass Mogwais neue so wenig quietschfröhliche Happy-Happy-Aura mitbringt wie ihr Vorgängeralbum geradeaus galoppierende »Rock Action«, sagt nicht nur der Sound von »Happy Songs For Happy People«, sondern auch das kleine Einmaleins der Ironie. Dass diese offenbar ironisch betitelte Platte dennoch wie eine - wenn auch schleppende, teil-lethargische – Spielart von Glück klingt, könnte wiederum mit einem bei Mogwai gepflegten Ironiebegriff zu tun haben, der eine ironische Aussage als weitestgehend unironisch verstanden wissen will: »Hohe Ironie« verneint sich selbst, weshalb die Stücke auf »Happy Songs...« wohl genauso glücksduselig sein sollen, wie der Plattentitel behauptet. Und gemäß dieser fortgeschrittenen Variante von Ironie (deren Interpretation eigentlich verboten ist: »Post-Ironie« denkt nicht, analysiert nicht...) sowie meiner bescheidenen Meinung nach sind sie es WIRKLICH.

    Ja. Mogwais fünfte Platte - jetzt »geht es« - ist nothing but a Glücksgriff, atmet und transpiriert ansteckendes, gülden glänzendes Glück, hurra. (Und hätte eigentlich »Bag Of Agony« heißen sollen: was den Ironievorbau dieser Rezension überflüssig gemacht hätte, vor dem Hintergrund des Leuchtens von »Happy Songs...« jedoch der ironischere Titel gewesen wäre - aber lassen wird das.) Garantiert ironiefrei hergeleitet sind Mogwai wieder mal einen ihrer Ästhetik-fixierten Schritte weitergegangen, lassen Klavier- und Streicheröl über Gitarrenglut laufen und löschen das Ergebnis mit trockenen Drums bzw. gar nicht: Let it burn. Als unbedingt liebenswert fallen auch die Tracktitel auf, die z.B. »Moses? I Amn’t«, »Boring Machines Disturbs Sleep« oder »Golden Porsche« lauten. Wobei es mich am meisten freut, dass Mogwai ihren Ideen trauen, und diese Namen ihrer »Lieder« nicht etwa durch Lyrics plausibel zu machen versuchen: »Happy Songs...« nämlich ist elegischer, die langhaarigen Götter des Prog beschwörender Surround-Klang für ohne Worte, da sind sich Mogwai und ihre Hörer hoffentlich einig. Das verbale Schweigen überträgt sich spätestens, wenn an den Stellen, wo eben doch schemenhaft gesungen wird, die wabernden Stimmen wie Instrumente ertönen. Wenn der gute Luke Sutherland (u.a. Long Fin Killie) zur Violine greift. Wenn man von den doomenden Abgründen des Albums stückweise aufgesogen wird und so bald nicht wieder raus will. Winziger Wermutstropfen: die mit dem Arrangierwahn von z.B. Dave Fridmann verwandte Produktion Tony Doogans (Belle & Sebastian, The Delgados...), die zu vorhersehbar perfekt geraten ist. Ein paar Rostspuren, etwas mehr Brockigkeit hätte die Eleganz von »Happy Songs...« vertragen können. Egal. Was ich von Anfang an einfach nur loswerden wollte, bleibt: So, happy people, geht glücklich.

LABEL: Rock Action

VERTRIEB: PIAS/ZOMBA

VÖ: 11.05.2009

Diesen Artikel kommentieren?

Du musst dich anmelden, um einen Kommentar schreiben zu können.

Solltest du noch kein Benutzerprofil haben, so kannst du dich hier registrieren. Bitte beachte: wir schätzen die Debatte, allerdings bevorzugt mit echten Menschen. Dein Username sollte daher aus Deinem vollen Namen, wenigstens aus Deinem Vornamen bestehen.

 
MySpex
Willkommen auf Spex.de
Du bist derzeit nicht angemeldet.
Um Artikel kommentieren zu können, musst du dich registrieren bzw. anmelden. Solltest du bereits auf Facebook registriert sein, so kannst Du auch diesen Login nutzen.

Login
Registrieren
 

  • Redaktionscharts 2011



    Die Spex-Redaktion hat die 30 wichtigsten Songs und Alben des Jahres kompiliert. Plus ByteFM-Stream.
  • Die neue Spex #336

    Spex #336 Teaser

    Die neue Ausgabe Spex #336 ist ab dem 16. Dezember im Handel erhältlich, u.a. mit Newcomerin Lana Del Rey, David Lynch als Musiker, Occupy Wall Street mit Mark Greif, The Black Keys und dem Jahresrückblick RE: 2011.

    Außerdem: Gordon Matta-Clark, Miguel Adrover, Frank Miller, Rodarte, Mary Bauermeister, Drive, Veronica Falls, Sepalcure, Das Racist, Winfried Menninghaus, Niobe, Let Me In u.v.m.

    Dazu: Die Spex-CD #100 mit 15 Titeln und einem tierischen Foto von Juergen Teller.
  • Vernetzen

    Spex auf Facebook
  • Gezwitscher

  • Spex abonnieren

    Spex im Abo mit Prämie

    6 Hefte ¬ 6 CDs ¬ nur 30 Euro
    Immer 1 Woche vor Kiosk frei Haus
    Jetzt abonnieren!

Spex International
Spex International
Selected Spex contents in English
  • Daniel Miller & Patrick O’Neill of Mute on their new label
    Thomas Vorreyer | 28.01.2012 um 16:01
  • Talking music history with Debbie Harry and Chris Stein
    Jan Kedves | 28.11.2011 um 00:11
  • »Since I’ve become an artist my mother is proud of me«
    Jan Kedves | 28.11.2011 um 00:11
more

Neueste Texte
  • Compilation: »Format«
    Sebastian Hammelehle | 10.02.2012
  • Verlosung: Soundtrack zu Nicolas Winding Refns spektakulärem »Drive«
    Thomas Vorreyer | 09.02.2012
  • Verlosung: Kontrabassist Baldwin heute bei »Kometenmelodien« in Berlin
    Thomas Vorreyer | 09.02.2012

Blogs

-->