Graham Coxon
The Kiss Of Morning
Text: Stephan Glietsch
Das vierte Album jenes Typs, von dem man sich erzählt, er sei vor Urzeiten einmal Mitglied von Blur, dem Stadionrock-Sideproject von Gorillaz-Frontmann Damon Albarn und Parkplatzraver Fatboy Slim gewesen. Heute, 2005, knapp drei Jahre nach Veröffentlichung dieses Tonträgers, scheint es kaum noch vorstellbar, wie jemand, der solchermaßen spröde, sensible und dabei fast schon exhibitionistische Musik macht, sich in die größenwahnsinnige Unterhaltungsmaschine Blur eingefügt haben soll. »The Kiss Of Morning« ist eine einzige lange Waschstraße der Seele. Größtenteils im Alleingang eingespielt, präsentiert sich hier ein so reifer und wacher Singer und Songwriter, zwischen absolutem Minimalismus und wundervoll dichten Arrangements, zwischen der dunklen Seite Ralph McTells (»Baby, You?re Out Of My Mind«) und der lustigen (hihi) Seite Nick Drakes (das Fingerpicking in »Latte«), zwischen Van der Graaf Generator-Kirchengeorgel und Syd Barrett-Hooks (beides im Fuzzrocker »Escape Song«), zwischen urbanem Knarz-Bluesrock, Minimalfolk und seelenvoll rollenden Rhodes-Piano-Licks, ... und über allem thront eine beeindruckende, Pedalsteel-beseelte Country-Ballade, der »Mountain of Regret«, dessen tränenbedeckter Gipfel in aus wattezartem Gejammer gezupften Wolkenbergen verschwindet.Mit Abstand Coxons beste Arbeit. Würde mich ja schon mal interessieren, was der Mann heute so macht.
LABEL: Transcopic
VERTRIEB: EMI
VÖ: 21.10.2002

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