Bonnie »Prince« Billy

Master & Everyone

Text: Wolfgang Frömberg

Geben ist seliger als nehmen, denkt sich Bonnie Billy, Prinz aus Kentucky, wo man die Cannabisfelder im Wald vor lauter Bäumen nicht findet; oh, untröstlicher Barde, der seinen teuflisch vereinsamten Blues (ihr wisst, als Palace Brothers, Palace Songs, schlicht Palace oder einfach unter seinem bürgerlichen Namen Oldham, Will) aus dem Bart zu schütteln scheint wie Flöhe. Zwischen Bären jagen, Wasser aus dem Brunnen holen und Sterne zählen (»Baby, it´s a hard life/for a man with no wife«, klagt das lyrische Ich in »Hard Life«) hat er zum x-ten Mal ein paar dramatisch straighte, melodiöse Miniaturen mit Herzblut auf sonnengetrocknete Schweinsblasen gemalt, die schmecken wie Magenbitter nach einem opulenten Mahl im Limbo zwischen Himmel und Hölle, während Satan und Gott »Master & Everyone« vor sich hinsummen. Oder mit den Wölfen heulen. Schließlich ist Oldham, zumindest für einen Song, »a wolf among wolves«, nicht »a man among men«.

    Außerdem ist er ein Fan von Glenn Danzig. Wirklich. Der jedoch eher durch die Hinterür in Satans Gemächer huschende, sanfte Zupfer, der seine Gitarren behandelt wie tragbare Harfen, kennt sich aus mit Rollenspielen. Tatsächlich hat er zunächst als Schauspieler gearbeitet, bevor er in die Saiten griff und begann, Liedtexte zu verfassen, die verabscheuungswürdige Banalitäten á la »Mir geht´s echt nicht gut heute...« zu Gunsten poetischerer, dem geistigen Reichtum huldigender Formeln vernachlässigen (»ain´t you wealthy/ain´t you wise/ain´t you made to give to me...«)-Emphasen, die ihm selbst suspekt sind, da er der »Poesie« nicht viel abgewinnen kann. Wer hätte das gedacht? Er liest angeblich keine Bücher. Also weder Testamente noch ... Nun ja, einer, der sich selbst verdächtig ist, rasiert sich nicht - und einer, der diese paar Noten und Phrasen im Blut hat, die es braucht, um permanent aufs Neue ein äußerst ausgefülltes Quantum an Glauben zu offenbaren; simple Formeln, die in ihrer staubigen Tristesse und quellwasserklaren Weisheit zugleich Cowboys und Indianern gefallen dürften, braucht auch nicht mehr William Faulkner lesen.

    Weil 1.) zu komplexe Syntax. Und 2.) Der hat schon alles gesehen. »Oh, thank you, Mr. President, for givin´me the freedom to be poor«, sangen dareinst die Fellow Travellers in einer leider nicht als solche deklarierten Oldham-Rezension. Dem ist nichts hinzuzufügen. Nimm es oder stirb unerlöst.

LABEL: Drag City

VERTRIEB: Domino Recording Co / Zomba

VÖ: 27.01.2003

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