Badly Drawn Boy
Have You Fed The Fish?
Text: Doris Achelwilm
»And I --- remember doing nothing on the night Sinatra died. And the night Jeff Buckley died. And the night Kurt Cobain died. And the night John Lennon died.« Badly Drawn Boy begleicht also seine (musik-)emotionalen Schulden. Beck macht seit jeher was prinzipiell Ähnliches, geht jedoch systematischer vor, wenn er jede Platte als eine Phase inszeniert, die er bis zur nächsten Neuerscheinung annähernd verarbeitet hat. Was Beck in mehrfach gebrochenen Raten liefert, haut Badly Drawn Boy hingegen im dicken Paket heraus. Und während man bei Herrn Hansen darum bangt, dass er irgendwann das Ende aller Phasen erreicht, hat Damon Gough seine eklektizistischen Wahnideen mal eben für »Have You Fed The Fish«, ein Ehrfurcht gebietendes Monster, verpulvert. Die Gitarren borgte er sich vom Bruce Springsteen der Achtziger, um zu testen, wie sich doppelt verzerrter Pathos mit Pianoschmelz, Harfen-Licks und Vibraphon etc. verträgt. Das Gebräu reagiert explosiv, stinkt übel vor sich hin und zwingt wegen des Spektakel-Faktors zu stehenden Ovationen, obwohl man diese Baustelle in weiser Voraussicht längst verlassen wollte. Es folgen zuckende Synthie-Violinen mit einer Extraportion Hall, angejazzte BigBand-Bläser, ein kurzes Charleston-Revival und Gesangspassagen, die erfolgreich verdrängte Songwriter wie etwa Cat Stevens ins Bewusstsein zerren. »The Further I Slide« lässt sich mehr oder weniger auf die schmierige Formel Hot Chocolate zuzüglich Querflöte reduzieren, so wie überhaupt sehr viele Klang- und Rhythmusmaschen von »Have You Fed...« auf Discoatmosphären of 70s fame anspielen. Ich habe sowas nicht gewollt. Ich habe auch nicht »About A Boy« auf Zelluloid gewollt, diesen Familienfilm, für den der BDB einen grundguten Soundtrack maßgeschneidert hat. In den ideologiefreien Momenten, die man sich so freiräumt, nisten sie sich jedoch ein: die Nick Hornby-Perspektiven dieser Welt, begleitet von Silent Sighs, die leider viel zu gefällig sind, um sie achtlos beiseite zu schieben. »Have You Fed The Fish« baut ebenfalls auf diese Perspektive. In »You Were Right« z.B. singt Damon Gough, dass er sich für SIE auch dann entscheiden würde, wenn Madonna die Alternative wäre. Eine Strophe später widmet er sich den untoten Schöpfern zeitloser Songs (Jeff Buckley, Cobain..., siehe oben), die ihn wiederum an glücklose Nächte erinnern, in denen er ohne SIE war. Potenzieller Hornby-Stoff, den man aus vielen Gründen hassen oder lieben kann. Schwieriger verhält es sich mit BDBs Melodien, die sich in ihrer verdammten Selbstgefälligkeit - häufig ohne Refrain, sehr retro und irgendwie stur dabei - einfach aufdrängen. Badly Drawn Boy wird nichts dagegen haben: »Sometimes youve got to rewind to go forward.« Widerspruch zwecklos.
LABEL: XL Recordings
VERTRIEB: Beggars Group / Connected
VÖ: 08.01.2004

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