Text: Walter W. Wacht
Die Vorgeschichte zu »Tomorrow, in a Year«, der Darwin-Oper in Kollaboration mit The Knife, Mt. Sims und Planningtorock, dürfen wir nach mehreren Features zum Thema als bekannt voraussetzen? Gut. Nicht nur wird die Musik zur Oper am 5. März als Album veröffentlicht, man kann die Platte bereits jetzt auf der Webseite von The Knife vorbestellen und im gleichen Zuge als MP3 herunterladen. Außerdem bieten The Knife das Album schon seit rund einer Woche in Gänze (siehe untenstehende Playlist) zum kostenlosen Stream an. Interessanter ist allerdings das kleine Roundtable-Hörspiel, das The Knife vor knapp zwei Stunden auf ihrem SoundCloud-Profil geparkt haben.
Text: Walter W. Wacht
Die Parallelen zur Causa Final Fantasy vs. Wiener Stadtwerke sind unverkennbar: Vor knapp vier Jahren entwickelte die Agentur Publicis für die Wiener Wasserwerke eine Imagekampagne, in deren Werbespots das Stück »This is the Dream of Win & Regine« des kanadischen Künstlers Owen Pallett in Form eines ›Sound-Alikes‹, einer nachgespielten variante des Originals, verwendet wurde. Nun beklagen die White Stripes auf ihrer Homepage einen ganz ähnlichen Vorgang: Man sei reichlich erstaunt gewesen, ein stark an ihren Song »Fell in Love With a Girl« (aus dem Album »White Blood Cells«, 2001) in einem Rekrutierungs-Werbespot der U.S. Air Force Reserve während des NFL Super Bowls gehört zu haben.
Text: Walter W. Wacht

Für das neue Musikvideo zur Single »Skeletons« (aus dem Album »It’s Blitz«) wählte Regisseur Barney Clay eine recht naheliegende Technik: Die Yeah Yeah Yeahs selber tauchen nur als Geister auf, schweben als leuchtende Projektionen über den Grabstätten des nächtlichen, von dichtem Nebel durchwaberten Hollywood Forever Friedhofs in Los Angeles. Dazu filmte Clay die Band zunächst im Studio während der Performance des Songs, modifizierte die Aufnahmen anschließend am Rechner, um sie schlussendlich auf die Nebelwände des Drehorts zu projizieren und erneut abzufilmen.
Text: Walter W. Wacht
Einen tiefen Einblick in die Subkultur Mittelamerikas gibt noch bis zum 14. Februar die Kunsthalle Fridericianum in Kassel: Im Dezember eröffnete dort die Ausstellung »Nuevos Ricos« des aus Mexiko-Stadt stammenden Künstlers und Labelbetreibers Carlos Amorales, nach dem jüngsten Auftritt des Hamburger dAdA-Pop-Künstlers Felix Kubin wird nun am kommenden Freitag der Niederländer Dick el Demasiado die Ausstellung mit einer Konzertperformance beenden.
Text: Walter W. Wacht
Zuallererst sind sie ein Duo, aber das ist natürlich nur Dreiviertel der Wahrheit: Den Kern von Christy & Emily bilden zwar die beiden in New York lebenden Musikerinnen Christy Edwards und Emily Manzo, die unzähligen auf ihrem neuen Album »No Rest« verwendeten instrumente zwischen Violine bis Vibraphon wurden von den unterschiedlichsten Menschen zwischen New York und dem oberschwäbischen Örtchen Scheer bedient. Der bekannteste unter diesen Kollaborateuren des vom Geist von Folk, Punk und Electronica zehrenden Projekts Christy & Emily ist sicherlich Hans Joachim Irmler, der künstlerische Leiter des intimen Scheerer Independent-Festivals Klangbadfestival und außerdem Mitbegründer und Produzent der in den 70ern wegweisenden und heute oft wiederentdeckten Gruppe Faust. Einen Vorgeschmack auf das Album und die Tour gibt es vorab als MP3.
Text: Max Dax, Wibke Wetzker, Thomas Hübener
DAX: Fantas Schimun kommt aus Wien, und die erste Assoziation, die sich beim Hören ihres Debütalbums einstellt, ist eine freundliche: Sie beschreitet ebenso experimentelle wie pop-affine Wege wie die in London lebende Brasilianerin Cibelle. Sie singt auf Deutsch und auf Englisch. Ihr Minimalismus erfordert viel Aufmerksamkeit – auf »Variationen über die Freiheit eines anderen« hören wir kaum mehr als ihre Stimme, eine Akustikgitarre und gelegentliche, an Yo La Tengo erinnernde Gitarren-Feedbacks, manchmal auch den Sound einer Drum-Machine. Doch wird der Hörer belohnt: Die oft unvorhersehbaren Harmoniewechsel und Arrangements entfalten sich bei mehrmaligem Hören, sie bleiben hängen. Zerstörung und Aufbau von Schönheit stehen hier nah beieinander.
Erschienen in SPEX #324 01-02.2010 | 05.02.2010 09:05
Text: Michael Lutz, Max Dax, Thomas Hübener, Ralf Krämer
LUTZ: Die in den USA lebende Engländerin Emma Louise »Scout« Niblett bringt ihr fünftes Album »The Calcination of Scout Niblett« zur richtigen Jahreszeit, denn es handelt sich um ›Herbstmusik‹. Karg und kalt muten die elf neuen Songs an, reduziert bis aufs Mark. Man könnte die wenigen Töne dieser Platte ohne Probleme zählen wie die vereinzelten Blätter, die vor Wintereinbruch noch an den Bäumen hängen. Ihr dekonstruierter Grunge besteht aus punktuierten Saitenanschlägen und abgebremsten Mini-Feedbacks, ab und zu schmettert sie ein eruptives Rock-Riff zwischen ihre scharfkantig vorgetragenen Klagegesänge. Da das aber nun nichts Neues mehr ist, geht dem Album das Überraschungsmoment ab.
Erschienen in SPEX #324 01-02.2010 | 04.02.2010 09:22
Text: Walter W. Wacht
Das britische Duo La Roux – bestehend aus der blutjungen Elly Jackson sowie dem Produzenten Ben Langmaid – hat mit seinem bislang einzigen Album »La Roux« nicht nur in den Spex-Redaktionscharts 2009 den ersten Platz belegt, sie wurden kürzlich außerdem für die Brit-Awards als beste britische Durchbruchskünstler sowie für die beste Single nominiert. Ihr einzigartig homogenes Sounddesign ist irgendwo zwischen kühler Electronica und Autoscooter angesiedelt, dazu klingelt uns noch immer Skreams fantastischer Dubstep-Rave-Remix von »In for the Kill« in den Ohren. Wie sie im ›Quicksand‹-Video an der Ananas lehnte, wie sie im ›In for the Kill‹-Video im Toyota saß, wie sie gut geföhnt Eurythmics und Yazoo emulierte: Einfach alles an Elly Jackson hatte Klasse. Ab Ende Februar kommen La Roux für fünf von Spex präsentierte Shows in den deutschsprachigen Raum, dazu gibt es einen Musikvideo-Remix zu einem Single-Remix.
Text: Walter W. Wacht

Gestern erst ließen Massive Attack verlauten, dass ihrem neuen, am kommenden Freitag erscheinenden Album »Heligoland« bestenfalls schon im Mai eine zweite EP folgen solle: Aus den Aufnahme-Sessions seien mehrere Stücke übrig geblieben, eines davon sei eine noch nicht fertig gestellte Kollaboration mit dem Elbow-Sänger Guy Garvey. Robert Del Naja sagte dazu im Interview mit BBC6 Radio: »Es gibt diesen Song ›Red Light‹, den wir schon seit zwei Jahren bei Konzerten spielen, aber immer noch nicht fertigstellen konnten. Ich bin mir nicht sicher, ob wir ihn beenden werden können … Manche Stücke sind einfach so. Einige klappen auf Anhieb, andere machen dir laufend Ärger.«
Ein anderer Song schien dabei weniger Probleme bereitet zu haben: Für »Flat of the Blade«, ebenfalls mit dem Gesang Guy Garveys, wurde soeben ein Musikvideo freigegeben.
Text: Michael Lutz, Walter W. Wacht
Dem Londoner Label und Plattenladen Honest Jon’s kommt eine geradzu kulturkonservative Funktion zu: Seit Jahren graben sich die Betreiber Mark Ainley und Alan Scholefield durch einen Bestand von über 150.000 alten Schellack-Platten, die das Tonträgerunternehmen EMI im nahe gelegenen Städtchen Hayes in speziell temperierten Stahlkammern hortet. Der Branchenriese ließ zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts Volksliedgut aus aller Welt aufnehmen und in Hayes auf Tonträger pressen, um mit diesem Material weltweite Märkte zu erschließen. Der Krieg und die Rezession lenkten die Firmengeschichte aber in andere Bahnen, weshalb die meisten dieser Schätze seit ihrer Archivierung in Vergessenheit gerieten. Am 5. Februar gibt es die seltene Gelegenheit, einem von Honest Jon’s gestalteten Abend im Berghain beizuwohnen. Unter anderem mit der Detroit-Deep-House-Legende Moodymann und dem Dubstep-Wunderkind Joy Orbison.